Bistum Augsburg : "Mixa ist nicht mehr vermittelbar"

Die Stimmung im Bistum Augsburg wird von Tag zu Tag schlechter. Der Druck auf Bischof Mixa, zurückzutreten oder zumindest seine Ämter ruhen zu lassen, steigt.

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Bischof Mixa
Bischof MixaFoto: ddp

Berlin - „Bischof Mixa ist nicht mehr vermittelbar“, sagten Pfarrer am Montag. Eltern würden zu ihnen kommen und darauf bestehen, dass der Bischof nicht bei der Firmung oder Kommunion ihrer Kinder dabei ist. Andere würden zweifeln, ob sie ihre Kinder „überhaupt bei einem solchen Verein zur Kommunion gehen lassen sollen“.

Andere Geistliche sorgen sich um ihr Amt: „Wenn weiter so viele Leute aus der Kirche austreten wie in den vergangenen Monaten, gibt es für uns bald nichts mehr zu tun.“ Am Montagabend wollte der Priesterrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen, um mit Bischof Mixa über die Vorwürfe zu beraten. „Da wird es rundgehen“, sagte ein Pfarrer, „die Wut und die Enttäuschung über den Bischof ist immens.“ Mixa habe das Bistum gespalten, sowohl, was den Klerus angeht als auch, was die Stimmung unter den Gläubigen betreffe. Er hinterlasse einen Scherbenhaufen. „Ich gehe davon aus, dass Mixa bis Freitag seine Ämter nicht mehr ausüben wird“, sagte ein Geistlicher. Auch das Domkapitel stehe nicht mehr hinter Mixa, heißt es.

„Die Situation ist eine große Belastung“, sagte Franz Schneider vom Diözesanrat im Bistum Augsburg, dem obersten Laiengremium. Der Diözesanratsvorsitzende Helmut Mangold ist der Meinung, dass es höchste Zeit sei, mit personellen Konsequenzen eine „neue Basis im Bistum“ zu finden. Mangold regte an, der Münchner Erzbischof Reinhard Marx möge in der Causa Mixa vermitteln. Marx ist der Vorsitzende der bayerischen Bischofskonferenz.

Mixa hatte am Freitag eingeräumt, möglicherweise Heimkindern während seiner Zeit als Stadtpfarrer von Schrobenhausen „Watschn“ erteilt zu haben. Nachdem ihm sechs ehemalige Heimkinder vor zwei Wochen vorgeworfen hatten, er habe sie vor 20 Jahren zum Teil brutal geschlagen, hatte Mixa beteuert, „zu keinem Zeitpunkt körperliche Gewalt gegen Kinder und Jugendliche angewandt zu haben“. Er habe ein „reines Herz“.

Was Pfarrer und Katholiken in Augsburg so sehr aufbringt, ist vor allem Mixas Vorgehensweise, die Wahrheit scheibchenweise ans Licht zu bringen. „Hätte er die Ohrfeigen gleich zugegeben und sich entschuldigt, dann hätten ihm die Leute wahrscheinlich verziehen“, sagte Franz Schneider vom Diözesanrat. Jetzt seien viele eben sehr verunsichert, was sie dem Bischof überhaupt noch glauben sollen.

Am Wochenende hatten mehrere Politiker der Grünen und der SPD Mixas Rücktritt gefordert, auch das Zentralkomitee der Katholiken ging auf Distanz zu dem Augsburger Bischof. Erzbischof Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, zeigte sich sehr besorgt und ist im Gespräch mit Mixa. Am Wochenende sollen auch der Münchner Erzbischof Marx und der Apostolische Nuntius, der Botschafter des Papstes in Deutschland, über die Causa Mixa beraten haben.

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