Blog zum Nachlesen : Der neue Bundespräsident: Wie Joachim Gauck nominiert wurde

Sie haben ein ganzes Wochenende lang gerungen, gestritten und sich am Ende geeinigt: Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck soll neuer Bundespräsident werden. Unser Blog zum Nachlesen.

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Joachim Gauck soll neuer Bundespräsident werden. Foto: AFP
Joachim Gauck soll neuer Bundespräsident werden.Foto: AFP

22:23: Es war ein schwarz-gelbes Ringen um den richtigen Kandidaten. Namen wurden jongliert, Gespräche geführt und am Ende sogar mal kurz die Koalition in Frage gestellt. Am Ende steht Joachim Gauck, der neuer Bundespräsident werden soll - mit den Stimmen von SPD, Grünen, FDP und nun auch CDU. Nach dem Mund reden wird er wohl keinem davon. Damit beenden wir an dieser Stelle unseren Live-Blog zur Suche nach einem Nachfolger für den am Freitag zurückgetretenen Christian Wulff. Vielen Dank für ihr Interesse und wenn Sie liebe Leserinnen und Leser mögen, können Sie am Ende dieses Blogs auch weiter diskutieren und debattieren, ob Gauck nun das richtige Staatsoberhaupt für Deutschland ist.

22:11: Zurückhaltend kommentiert der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier die Benennung Joachim Gaucks als neuen Bundespräsidenten. Die Union habe sehr gute eigene Kandidaten gehabt, sagte der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende am Sonntagabend in Wiesbaden. Im Ergebnis trage er Gauck aber mit, "weil es die Absicht war, eine breite Mehrheit für einen Kandidaten sicherzustellen".

21:58: Merkel betont, dass Gaucks Lebensthema die "Idee der Freiheit in Verantwortung" sei. Dies verbinde sie als Ostdeutsche - "bei aller Verschiedenheit" - mit Gauck. "Unsere Sehnsucht nach Freiheit hat
sich 1989/90 erfüllt." Sie würdigt ihn als "wahren Demokratie-Lehrer".

21:56: Den Anruf der Kanzlerin hat Gauck im Taxi in Wien entgegengenommen. Er spricht auch Angela Merkel direkt an. Das Wichtigste für ihn sei immer gewesen, dass sie ihm Vertrauen und Hochachtung gezollt habe.

21:42: Gauck: "Ich bin kein Supermann und kein fehlerloser Mensch." Gauck bat, in seinem künftigen Amt "die ersten Fehler gütig zu verzeihen" Man könne auch gute Dinge tun, wenn man nicht von Engeln, sondern von
Menschen umgeben sei.

Die schwierige und dramatische Suche nach dem richtigen Kandidaten hier in Bildern:

Die Suche nach dem neuen Bundespräsidenten in Bildern
Bundespräsident in spe: Joachim Gauck im Kreis derer, die ihn nominieren. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
1 von 20Foto: dpa
19.02.2012 22:53Bundespräsident in spe: Joachim Gauck im Kreis derer, die ihn nominieren.

21:38: "Am meisten bewegt es mich, dass ein Mensch, der im Krieg geboren und in einer Diktatur aufgewachsen, jetzt an die Spitze dieses Staates berufen wird." Es helfe ihm unheimlich, dass sich die Parteien zusammengefunden hätten. Die Menschen sollten wieder lernen, dass "sie in einem guten Land leben, das sie lieben können". Sie könnten die Freiheit zu etwas und für etwas leben. "Und diese Freiheit nennt man Verantwortung", sagt Gauck. In der Verwirrung seiner Gefühle könne er keine Grundsatzrede halten. Er wolle dazu beitragen, dass die Menschen bereit seien, neu Verantwortung anzunehmen und nicht nur Zuschauer und Begleiter der öffentlichen Dinge zu sein.

21:37: Joachim Gauck kommt zu Wort. "Das ist ein besonderer Tag für mich", sagt er und betont wenig später, dass er ungewaschen sei und verwirrt. "Aber irgendwann tief in der Nacht werde ich hoffentlich auch glücklich sein", sagt Gauck.

21:31: CSU-Chef Horst Seehofer kassiert den ersten Lacher des Abends. Er betont, dass die CSU mit einer Stimme spreche, nachdem für die Grünen sowohl Claudia Roth als auch Cem Özdemir gesprochen haben. Roth wendet ein: "Heute".

21:27: Grünen-Chefin Claudia Roth, gibt sich euphorisch. "Wir sind glücklich", sagt sie. Joachim Gauck könne Worte zum klingen bringen. Er besitze moralische Autorität. "Er hat die Leidenschaft für eine gesellschaftliche Kontroverse", sagt Claudia Roth. Auch Grünen-Chef Cem Özdemir lobt den gemeinsamen Konsens und er schlägt Gauck auch gleich ein Thema vor: "Integration". "Der 18. März ist eine Chance für einen Neubeginn in dieser Republik."

21:25: Merkel sagt, es gebe Differenzen mit Gauck, aber auch Gemeinsamkeiten. Sie verbinde mit Gauck vor allem die gemeinsame Vergangenheit in der DDR. Für Gauck habe sich der Weg von der Kirche
in die Politik von fast alleine ergeben. Ihn zeichne aus, ein „wahrer Demokratielehrer“ geworden zu sein.

21:21: "Inzwischen dürften alle die, zurückhaltend gesagt, nichterfolgte Wahl von Gauck bedauern. Es ist gut, dass er jetzt ein gemeinsamer Kandidat ist. Ich will deutlich sagen, dass ich das Bemühen zu einem gemeinsamen Kandidaten zu kommen, ausschließlich wertschätze", sagt SPD-Chef Sigmar Gabriel. Offene und faire Gespräche seien das gewesen in den vergangenen Tagen. §Ende gut alles gut."

21:19: "Wir schlagen Joachim Gauck vor", sagte Merkel auf einer Pressekonferenz in Berlin.

21:06: Jetzt bestätigt auch Peter Altmaier, Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, die Nominierung Gaucks via Twitter. "Gauck ist der Beweis, dass es uns ernst war mit gemeinsamem Kandidat. Dank an alle für gute und originelle Vorschläge", schreibt er.

20:56: Zugesagt hat Gauck noch nicht, aber das dürfte nur noch eine Formalie sein. Merkel hat ihre Position am Ende doch aufgegeben. Dem Vernehmen nach hat sie sich bis Sonntagnachmittag gegen Gauck gestellt. Auch weil es in ihrer Partei Vorbehalte gegeben hat. Doch nachdem sich die FDP am Nachmittag eindeutig festgelegt hat und auch SPD und Grüne klar für Gauck sind, hatte sie kaum eine andere Möglichkeit, als ihren Widerstand aufzugeben und ihre Partei zu überzeugen, Gauck mitzutragen. Andernfalls wäre die schwarz-gelbe Koalition in eine schwere Krise gestürzt. Gauck jedenfalls genießt auch in der Bevölkerung von allen Kandidaten, die an diesem Wochenende im Rennen war, die meisten Sympathien.

20:46: Der Theologe Joachim Gauck soll Bundespräsident werden. Darauf verständigen sich die Spitzen von CDU, FDP, SPD und Grünen. um 21:15 soll es eine Pressekonferenz mit den Parteichefs der vier Parteien geben. (Hier im Live-Ticker).

20:40: Der Weg für Joachim Gauck ins Schloss Bellevue ist frei. Nachdem es am Nachmittag noch zu Streit in der Koalition um die Wulff-Nachfolge gekommen war, akzeptiert die Union nun den Kandidaten Gauck.

20:21: Bei der Suche für einen überparteilichen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten ist die Union jetzt auch bereit, Joachim Gauck als Kandidaten zu akzeptieren. Das erfuhr der Tagesspiegel aus Unionskreisen.  

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