Politik : Bodo Hombach: Zurück an die Ruhr

Jürgen Zurheide

Für einen Medienkonzern zeigte sich die Essener WAZ-Gruppe wenig auskunftsfreudig. Auf einigen dürren Zeilen erklärte das Unternehmen der interessierten Öffentlichkeit, was die längst aus dem Radio erfahren hatte: Bodo Hombach gibt sein Amt als EU-Koordinator für den Balkan auf, wechselt zurück an die Ruhr und wird Geschäftsführer der WAZ in Essen. Er tritt die Nachfolge des 58-jährigen Bernd Nacke an, der "im guten Einvernehmen" aus eben diesem Amt scheidet.

Zumindest was den letzten Punkt angeht, haben es die Öffentlichkeitsarbeiter mit der Wahrheit nicht so ganz genau genommen: Eigentlich war geplant, dass Hombach für den geschäftsführenden Gesellschafter Erich Schumann an die Unternehmensspitze rückt, der sich auf seine Eigentümerolle beschränken wollte. Im letzten Moment hat Schumann offensichtlich seine Pläne geändert und dem reichlich konsternierten Geschäftsführer Nacke mitgeteilt, dass man auf seine Dienste "im guten Einvernehmen" verzichten wolle.

Unabhängig von diesem Detail, das innerhalb der verschiedenen Redaktionen des Konzerns freilich heftig diskutiert wurde, hatte sich Erich Schumann schon seit einiger Zeit um Bodo Hombach bemüht. Man war sich in der jüngeren Vergangenheit geschäftlich immer wieder auf dem Balkan begegnet, wo der WAZ-Konzern zurzeit in etlichen Ländern Beteiligungen an Medienhäusern aufkauft. Nachdem sich das Unternehmen in Ungarn, Bulgarien und Mazedonien niedergelassen hat, wird nun stark an Projekten in Jugoslawien gearbeitet. Bodo Hombach hatte Schumann hier unter anderen mit seinen ausgezeichneten Kontakten zu Regierungschef Zoran Djindjc geholfen, und es gilt als sicher, dass er sich auch in der Zukunft um diesen neuen Markt kümmern wird.

Die WAZ-Mediengruppe besitzt allein 22 Zeitungen, 50 Zeitschriften und setzt mehr als drei Milliarden Mark pro Jahr um. Hombach wird von der Brost-Seite der Eigentümer als Geschäftsführer bestellt, zu der auch Schumann zählt, der von Unternehmensgründer Erich Brost sogar adoptiert wurde. Der Essener Konzern wird von zwei gleichberechtigt auftretenden Familien beherrscht: Neben der Familie Brost halten die Nachfahren von Jakob Funke ebenfalls 50 Prozent der Anteile an dem als hochprofitabel geltenden Konzern. Nach dem Rückzug des langjährigen Geschäftsführers Günter Grotkamp, der die Funke-Seite vertritt, verständigten sich die Eigentümer darauf, insgesamt vier Geschäftsführer zu bestellen.

Bodo Hombach ahnt natürlich, dass er die eine oder andere kritische Nachfrage wird beantworten müssen, weil die Arbeit auf dem Balkan noch längst nicht abgeschlossen ist. So verweist er freilich darauf, dass er trotz der kurzen Zeit und der zahlreichen bürokratischen Hindernisse, die ihm die Brüsseler EU-Verwaltung in den Weg gelegt hatte, viele Projekte angeschoben habe. Außerdem läuft sein Vertrag mit der EU am Jahresende ohnehin aus.

Bis dahin will er allerdings noch einiges regeln. "Ich will die Konferenz in Bukarest zu einem Erfolg führen", hat er noch im Laufe der Woche versprochen. Seinen Freund Gerhard Schröder hat er zur Wochenmitte in seine Wechselpläne eingeweiht - der muss nun auf dem Gipfel mit seinen EU-Kollegen einen Nachfolger suchen. Am Rande des außerordentlichen Gipfels in Brüssel hieß es aus gut unterrichteten Kreisen, ein ehemaliges französisches Regierungsmitglied solle neuer EU-Koordinator auf dem Balkan werden. Konkreteres war zunächst nicht zu erfahren.

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