Politik : Bosnien-Herzegowina: Starke Beteiligung an den Wahlen

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Die Parlaments- und Regionalwahlen in Bosnien-Herzegowina haben am Samstag mit großer Beteiligung der Bevölkerung begonnen. Vor vielen der 3600 Wahllokale standen die Wahlberechtigten bereits vor Öffnung um 7 Uhr in langen Schlangen. Rund 2,5 Millionen der 4,3 Millionen Einwohner von Bosnien-Herzegowina sind aufgerufen, über den künftigen Kurs ihres faktisch in zwei Volksgruppen geteilten Landes zu entscheiden. Sie haben dabei die Wahl zwischen eher reformorientierten Politikern und Parteien, die das Land vor acht Jahren in einen blutigen Krieg führten. Seit dem Ende des Bosnienkrieges im Herbst 1995 besteht das Land aus kroatisch-moslemischer Föderation und der bosnisch-serbischen Teilrepublik.

Die bosnischen Serben wählten außerdem einen neuen Präsidenten und Vizepräsidenten gewählt. Umfragen zufolge lag dabei zuletzt der Kandidat der von dem mutmaßlichen Kriegsverbrecher Radovan Karadzic gegründeten Serbischen Demokratischen Partei (SDS), Mirko Sarovic, deutlich vor dem amtierenden Regierungschef Milorad Dodik, den der Westen unterstützt. Die Teilrepublik leidet unter Korruption und hoher Arbeitslosigkeit.

Neben dem 42 Mitglieder starken Abgeordnetenhaus des Gesamtstaates stimmen die Wähler in Bosnien-Herzegowina auch über die beiden Regionalparlamente der serbischen und bosnisch-kroatischen Teilrepublik ab. Dabei wird sich entscheiden, wie sehr sich Bosnien-Herzegowina dem Friedensabkommen von Dayton von 1995 verpflichtet fühlt und welchen wirtschaftlichen Kurs das Land einschlägt.

Im Regionalparlament der bosnisch-kroatischen Teilrepublik werden Zugewinne der reformorientierten Sozialdemokratischen Partei (SDP) des Wirtschaftsprofessors Zlatko Lagumdzija erwartet. "Wahrscheinlich wird es zu einem Machtwechsel kommen. Die SDP ist eine der starken Parteien", sagte der Balkanexperte und Streitschlichter in Bosnien, Christian Schwarz-Schilling (CDU).

In einer nicht genehmigten Abstimmung hatten kroatische Hardliner zudem die Kroaten dazu aufgerufen, darüber abzustimmen, ob sie den Kurs der Loslösung des kroatischen Teils aus Bosnien-Herzegowina unterstützen. Die internationale Verwaltung des Landes unter Leitung des Österreichers Wolfgang Petritsch hatten dies scharf verurteilt. Auch der kroatische Präsident Stipe Mesic nannte das Referendum einen Fehler. "Die Kroaten in Bosnien und Herzegowina müssen für das Dayton-Abkommen eintreten", rief er zur Zusammenarbeit mit dem serbischen Teil des Landes auf.

Erste Ergebnisse werden am Sonntag erwartet, bis zur Bekanntgabe der offiziellen Ergebnisse kann es jedoch mehrere Wochen dauern.

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