Politik : Brandanschlag: Drei Kinder in Asyl-Heim verletzt

Carsten Germis

Bei einem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Ludwigshafen sind am frühen Sonntag morgen drei Kinder von Kosovo-Albanern verletzt worden. Unbekannte Täter warfen nach dem Bericht der Polizei einen selbstgefertigten Brandsatz durch ein Fenster der Unterkunft. Dabei erlitt ein elf Jahre altes Mädchen schwere Brandverletzungen an beiden Beinen. Ein zwölf Jahre altes Mädchen und ein 14 Jahre alter Junge wurden wegen Schnittverletzungen ambulant behandelt. Politiker zeigten sich besorgt über die Zunahme des Rechtsextremismus.

Die Hintergründe des Anschlags in Ludwigshafen sind unklar. Die Polizei schließt ein fremdenfeindliches Motiv nicht aus, Hinweise darauf gebe es allerdings nicht. Von den Tätern fehlte zunächst jede Spur. Noch in der Nacht hatten Polizeibeamte bei einer Großfahndung mehrere Menschen kontrolliert und deren Alibis überprüft. Dabei wurde auch eine Diensthundestaffel eingesetzt. Die Fahndung lief am Sonntag den ganzen Tag über weiter. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagte ein Polizeisprecher.

In der Unterkunft im Ludwigshafener Stadtteil Oppau wohnten zur Tatzeit etwa 30 Ausländer. Die Täter schlichen sich nach bisherigen Ermittlungen gegen 01.30 Uhr von der Rückseite an das Gebäude heran und warfen einen Molotow-Cocktail durch ein Fenster im Erdgeschoss.

Eben erst hatte der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, im Tagesspiegel darauf hingewiesen, dass die rechtsextreme Unkultur an Attraktivität bei jungen Leuten gewinne, "auch in Westdeutschland".

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, warnte unterdessen eindringlich vor Rechtsextremismus in Deutschland. "Mir bereiten die rechtsextremistischen und neonazistischen Tendenzen, besonders unter Jugendlichen, größte Sorge", sagte Spiegel der "Welt am Sonntag". Die Skinheadmusik sei zum Köder für Rechtsradikalismus geworden, das Internet zum Tummelplatz für Rechtsextreme und Neonazis. Bundesinnenminister Otto Schily forderte auf einer antifaschistischen Veranstaltung in Frankfurt an der Oder eine konsequente Strafverfolgung von Neonazis. "Wer Rassismus und Fremdenfeindlichkeit predigt, gehört vor Gericht, und wir werden ihn lehren, was eine demokratische Gesellschaft ist", sagte der SPD-Politiker.

Bundespräsident Johannes Rau rief im Südwestrundfunk dazu auf, jeder Form von Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus zu widerstehen. Beunruhigt zeigte sich der Bundespräsident vor allem über die Zunahme des Rechtsextremismus. "Wir brauchen eine Gesellschaft, die auf Gewalt verächtlich herabsieht", sagte Rau. Er appellierte in diesem Zusammenhang auch an die Fernsehanstalten, weniger Gewaltszenen zu zeigen.

Besorgt über wachsende Gewaltbereitschaft unter Rechtsextremen äußerte sich auch Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU). Im "Focus" verwies er aber auch darauf, dass der erhöhte Verfolgungsdruck gegen Rechtsradikale in Brandenburg erste Erfolge zeige.

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