Politik : Brisanter „Dialog“

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Am 14. Dezember 1966 treffen sich im Bonner Bundeshaus zwei Männer. Der eine hat sich als DDR-Wissenschaftler angekündigt, der an politischen Entwicklungen im Westen interessiert sei. Er ist Philosoph an einem Leipziger Institut und – was der andere nicht weiß – Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Staatssicherheit mit dem Decknamen „Ring“. Der andere ist der SPD-Bundestagsabgeordnete Erhard Eppler, von der Stasi als Kontaktperson (KP) „Dialog“ geführt. Im „Operativplan“ der Stasibezirksstelle Leipzig vom 25. August 1967 steht, IM „Ring“ sei angeworben worden, um ihn „an die KP ,Dialog‘ anzuschleusen“. An Eppler war die Stasi interessiert, weil er „ vertrauliche Dinge “ über die SPD berichten könne und nicht zum „aggressivsten rechten Flügel“ der Partei zu zählen sei. Schon nach dem zweiten Treffen ist die Stasi jedoch unzufrieden: Es sei „zu bemängeln“, dass „der IM zu wenig Gebrauch gemacht hat von den vorhandenen Möglichkeiten, durch offensivere Abschöpfung mehr Informationen über die SP- und Regierungspolitik einzuholen“. Unter „Maßnahmen“ vermerkt Leutnant Vincenz: „Die zweite Etappe umfasst das Jahr 1969 mit der geplanten Anwerbung von ,Dialog‘.“ Die Stasi wappnet IM „Ring“ für alle Eventualitäten: Bei Unfall oder Krankheit im „ Operationsgebiet “ soll er ein Telegramm an eine Deckadresse schicken: „Kann Onkel Rudi nicht abholen, liege krank im ...“). Im Falle seiner Verhaftung solle im Telegramm eine der folgenden Anreden erscheinen: „Jutta“ (wenn der gefälschte West-Ausweis Grund für die Verhaftung war), „Liebe Jutta“ (wenn eigenes Verschulden vorlag), „Meine liebe Jutta“ (wenn der IM durch „Dialog“ verraten worden wäre). Für eine Reise vom 7. bis 13. Dezember 1967 rechnet IM „Ring“ 740 D-Mark ab. davon 70 D-Mark für „operative Ausrüstung (Hemd, Pullover, Strümpfe)“. Mindestens achtmal reist der IM in die Bundesrepublik, um Eppler zu treffen. Danach fertigt er präzise Gesprächsprotokolle an. Es wird über die Ostpolitik der Bundesregierung, über die SPD-Politik im Allgemeinen, über Abrüstungsfragen und die Politik anderer Ostblockstaaten gesprochen – nichts Geheimnisvolles und für die Stasi zu wenig. Im Abschlussbericht vom 20. August 1971 vermerkt Oberleutnant Bols: „Guter, aber nicht ausbaufähiger Kontakt. Einige Informationen der Wertklasse 3. Bearbeitung wurde ... eingestellt. Material ist ohne Perspektive .“ sc

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