Politik : Britischer Ex-Premier Heath ist tot

Albert Funk

Berlin - Der frühere britische Premierminister Edward Heath ist am Sonntag gestorben. Das teilte ein Sprecher des konservativen Politikers am späten Abend in London mit. Der 89-Jährige starb demnach an Altersschwäche. Heaths historische Leistung war es, in seiner Amtszeit als Premier Großbritannien in die Europäische Union geführt zu haben. Er amtierte von 1970 bis 1974 in der Downing Street und war von 1965 bis 1975 auch Führer der Konservativen.

Heath wurde am 9. Juli 1916 geboren und studierte am berühmten Balliol College in Oxford, das mehrere Premierminister des Landes hervorbrachte. Einer von ihnen, Herbert Henry Asquith, sagte einmal, Balliol-Abgänger besäßen „das ruhige Bewusstsein einer mühelosen Überlegenheit“ – ein Wort, das durchaus auch auf Heath zutraf, der neben der Politik als talentierter Organist auftrat und auch als Dirigent großer Orchester Aufsehen erregte. Seine politische Karriere begann er als Abgeordneter für Bexley im Jahr 1950. In der konservativen Unterhausfraktion stieg Heath schnell auf. Schon 1955 war er Fraktionschef, 1959 wurde er Arbeitsminister. Der geradlinige Pro- Europäer wurde 1965 zum Chef der Konservativen gewählt – als bis dahin jüngster Führer der Tories.

Nach dem Wahlsieg 1970 übernahm er das Amt des Premiers, in dem er zwei folgenreiche Entscheidungen traf: Er vollzog 1973 den Beitritt Großbritanniens zur EG und ernannte Margaret Thatcher zur Ministerin. So förderte er die Karriere jener Politikerin, die letztlich die seine beendete. Um Thatcher scharte sich eine Gruppe von Tories, die den liberalen Konsenskurs Heaths ablehnte, ebenso seine proeuropäische Haltung. Zu den schärfsten Kritikern der „eisernen Lady“ zählte denn auch Heath, der im Thatcher-Lager zu den „wets“ (Waschlappen) gezählt wurde. Immerhin hatte er die Genuugtung, länger im Unterhaus zu sitzen als sie: Er blieb dort bis 2001 und gehörte mit 51 Abgeordnetenjahren zu den am längsten dienenden Politikern der britischen Parlamentsgeschichte.

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