Politik : Brummis rechts ran

NRW plant Überholverbot für Lkw auf Autobahnen – was Experten sagen

Rita Nikolow

Berlin - Nordrhein-Westfalen führt auf viel befahrenen zweispurigen Autobahnstrecken ab Anfang September Überholverbote für Lkw ein. Die Landesverkehrsminister hatten im April grundsätzlich beschlossen, dass Überholverbote für Lkw auf zweispurigen Autobahnen möglich sind – wenn dadurch der Verkehrsfluss verbessert wird.

Für Heidi Tischmann vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist dies genau „die richtige Entscheidung“: Viele zweispurige Strecken seien zu unfallträchtig. Nach Ansicht des deutschen Speditions- und Logistikverbands ist das generelle Überholverbot hingegen unnötig. „Zu Spitzenzeiten ist ein Überholverbot in Ordnung, aber nicht 24 Stunden am Tag“, sagte Sven Kische, stellvertretender Geschäftsführer des Landesverbands Nordrhein-Westfalen.

Nicht alle Bundesländer planen die Einführung genereller Überholverbote für Lkw: Sachsen ist gegen ein generelles Überholverbot – mit bislang einer Ausnahme: Die fragliche Strecke ist sieben Kilometer lang und liegt an der A 14 zwischen der Anschlussstelle Leipzig und dem Messegelände. Martina Pirk, Sprecherin des Verkehrsministeriums, kündigte an, dass in den nächsten Tagen an dieser Stelle Überholverbotsschilder aufgestellt werden.

Auch Mecklenburg-Vorpommern lehnt generelle Überholverbote entschieden ab. „Wenn das bundesweit eingeführt wird, stellen wir Schilder auf, die das Überholen erlauben“, sagte Ulrich Vetter, Pressesprecher des Verkehrsministeriums in Schwerin. Brandenburg hat gute Erfahrungen mit generellen Überholverboten gemacht – an „bestimmten, gefährlichen Stellen“, sagte Lothar Wiegand, Pressesprecher des Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung, dem Tagesspiegel. Langfristig plane das Land zudem, die Autobahn in Richtung Hamburg dreispurig auszubauen.

Dass ein generelles Überholverbot Staus und Unfälle vermeiden kann, glaubt der Stauforscher Michael Schreckenberg nicht. Schreckenberg ist Physikprofessor an der Universität Duisburg-Essen. Ein zeitlich eingeschränktes Überholverbot, beispielsweise zwischen sechs und zehn Uhr morgens, könne sinnvoll sein. „Man sollte jedoch immer schauen, was auf den Straßen los ist“, betonte er. Denn wenn auf der Autobahn nicht viel los wäre, müssten sonst alle hinter dem langsamsten Fahrer herfahren.

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