Politik : BSE: Doch Rindfleisch nach Korea?

Angesichts der Proteste gegen die Schlachtung von rund 400 000 Rindern ist Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) inzwischen grundsätzlich bereit, einen Teil des Fleisches an Nordkorea zu liefern. Allerdings hänge eine endgültige Entscheidung von Gesprächen mit der nordkoreanischen Regierung ab, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag in Berlin.

Der Tierschutzbund erstattete Strafanzeige gegen Künast beim Berliner Landgericht. Der Verein will, dass als gesund getestete Tiere in den Verbrauch gelangen und nicht zur Marktentlastung wie Sondermüll verbrannt werden. Dabei sei auch ein Export in Notgebiete denkbar, erläuterte Tierschutzpräsident Wolfgang Apel am Montag. Im Norddeutschen Rundfunk sagte er, dass er die Anzeige gegen Künast "natürlich sofort" zurückziehen würde, falls das Fleisch an Nordkorea geliefert wird.

Voraussetzung für eine Lieferung des Fleisches an das von Hunger geplagte Nordkorea sei, dass das Fleisch gerecht verteilt werde und das Regime den internationalen Hilfsorganisationen den freien Zutritt in das bisher abgeschottete Land erlaube, sagte Künast dem "Mannheimer Morgen". Sie verwies darauf, Deutschland müsse nicht alle 400 000 Rinder vernichten. "Wir dürfen auch einen Teil des Fleisches einlagern. Das hat Brüssel erlaubt."

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Nordkorea hatte sich in einem Schreiben an Künast bereit erklärt, unter bestimmten Bedingungen Rindfleisch zu übernehmen. Während Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) Zweifel hat, dass die Nahrungsmittel tatsächlich zu den Bedürftigen gelangen, wies der Gründer des Hilfskomitees Cap Anamur, Rupert Neudeck, der Initiator dieser Überlegungen, derlei Bedenken zurück. Das Welternährungsprogramm arbeite schon seit drei Jahren dort.

In Bayern sind unterdessen erneut zwei BSE-Fälle bestätigt worden. Damit erhöhte sich die Gesamtzahl in der Bundesrepublik auf 32. Elf in Bayern, fünf in Schleswig-Holstein, jeweils vier in Niedersachsen und Baden-Württemberg, jeweils zwei in Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt sowie jeweils einer in Brandenburg und Sachsen.

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