Politik : BSE: Schwerins Agrarminister in der Klemme

Andreas Frost

Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sitzt, so sagt er selbst, auf einer Zeitbombe. Der erste am Freitag bestätigte BSE-Fall in Ostdeutschland betrifft zwar "nur" den kleinen Nebenerwerbsbauern Knobloch in Tarnow im Landkreis Güstrow mit vier Stück Fleckvieh, das inzwischen getötet wurde. In Mecklenburg-Vorpommern stehen nach Angaben des Schweriner Agrarministeriums allerdings in rund 360 Betrieben mehr als 500 Rinder im Stall. Rund hundert Betriebe haben sogar mehr als 1000 Stück Vieh. Die Rindermastanlage in Ferdinandshof in Vorpommern zählt als größte in Deutschland knapp 25 000 Tiere. Wenn dort ein Tier als BSE-krank aufgefallen wäre, hätte "nach derzeitigem Recht wohl der gesamte Bestand gekeult werden müssen", sagte Backhaus dem Tagesspiegel. "Wir halten uns an die Gesetze." In der Mastanlage wird derzeit jedoch kein Tier älter als 30 Monate. Erst dann wäre der BSE-Test obligatorisch, und infizierte Tiere könnten erkannt werden, bevor das Fleisch vermarktet wird. Ein schon lebend als BSE-krank auffallendes Rind kann aber in Ferdinandshof nicht ausgeschlossen werden.

Der Sozialdemokrat Backhaus ist hin- und hergerissen zwischen dem von der Bundesregierung neu gesetzten Schwerpunkt Verbraucherschutz, was für die vorsorgliche Keulung ganzer Bestände spricht, und Lobbyarbeit für die Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern, an denen vielerorts das wirtschaftliche Wohl und Wehe der umliegenden Region hängt. Mit seinen SPD-Kollegen wollte er gestern erneut nach einem Ausweg aus der Klemme suchen.

Bärbel Knobloch aus Tarnow muss den Tod ihrer Tiere noch verkraften. Sie und ihr Mann hatten sie 1996 von einem nach ökologischen Vorgaben geführten Hof im Landkreis Güstrow gekauft. Der Verlust der Tiere wird den Knoblochs finanziell je zur Hälfte durch die Tierseuchenkasse und vom Land ersetzt.

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