Wahl-O-Mat ist online : Probewahl im Internet

Der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl ist online. Vertreter der großen Parteien konnten das Programm schon einmal testen - mit überraschenden Ergebnissen. Aber wie funktioniert das Online-Tool eigentlich?

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CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe erzielte eine Übereinstimmung von 95 Prozent mit den Thesen seiner Partei.
CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe erzielte eine Übereinstimmung von 95 Prozent mit den Thesen seiner Partei.Foto: dpa

Jörg Paschedag, Bundesgeschäftsführer der FDP, kann mit seinem Ergebnis zufrieden sein – eigentlich. Zu über 90 Prozent ist er mit dem Parteiprogramm der FDP auf einer Linie. Sagt der Wahl-O-Mat. Ein bisschen verwundert ist er trotzdem: 52 Prozent seiner Antworten entsprechen auch dem Wahlprogramm der satirischen Partei „Die PARTEI“. Sagt der Wahl-O-Mat. Und das obwohl „Die PARTEI“, gegründet von Redakteuren der Satirezeitschrift „Titanic“, eine Koalition mit der FDP immer kategorisch ausgeschlossen hat und vor allem mit ihrer Forderung zum Wiederaufbau der Mauer von sich reden machte. Kann man den Wahl-O-Mat nun trotzdem ernst nehmen? Paschedag findet: ja.
Fast alle der 30 zur Bundestagswahl zugelassenen Parteien haben sich beim Wahl-O-Mat, der von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) programmiert wurde, beteiligt. Nur die Partei „Die Rechte“ hat sich dem großen Programm-Vergleich nicht gestellt. CDU und CSU treten gemeinsam an. 85 Thesen aus allen politischen Bereichen mussten die Vertreter der Parteien beantworten. Soll die Pille danach rezeptpflichtig bleiben? Muss Deutschland mehr Flüchtlinge ins Land lassen? Brauchen wir eine PKW-Maut? Die 38 Thesen, bei denen sich die Antworten der Parteien am meisten unterschieden, wurden ausgewählt und auf der Website wahl-o-mat.de zusammengefasst. Wähler können nun per Klick auf „Stimme zu“, „neutral“ und „Stimme nicht zu“ ihre Präferenzen mit denen aller Parteien abgleichen.
Bei einer solch groben Einteilung gibt es dann auch schonmal wunderliche Übereinstimmungen wie bei Paschedag, erklärt Pamela Brandt, eine der Projektleiterinnen des Wahl-O-Mat. „Wir haben erstmals alle zugelassenen Parteien in das Programm aufgenommen.“ Nach einem Urteil des Verfassungsgerichtes 2009 musste das auch so sein. Dadurch seien nun auch radikale Parteien vertreten und die können ja auch durchaus etwa für oder gegen das Betreuungsgeld oder eine PKW-Maut sein und so beim Wähler in der Übereinstimmung weit oben landen. „Jede Partei musste ihre Antworten aber auch begründen. Dann sieht man , welche Ideologie womöglich dahinter steckt.“, sagt Brandt.
Blind sollte man dem Ergebnis des Wahl-O-Mat also keinesfalls vertrauen. So will Thomas Krüger, Präsident der bpb das Programm aber auch nicht verstanden wissen.„Es ist ein gutes Instrument für politische Bildung. 90 Prozent der Nutzer landen im Ergebnis bei der Partei, die sie selbst präferieren, oder einer, die dieser Partei nahesteht.“ Das Programm biete aber Gelegenheit die eigene Position einfach mit der der Partei abzugleichen.
Inzwischen ist das Online-Tool, das es seit 2002 in Deutschland gibt und dessen Konzept eigentlich aus den Niederlanden stammt, gut etabliert. 25 Millionen Nutzer in den letzten zehn Jahren, über sechs Millionen hätten allein bei der vergangenen Bundestagswahl 2009 darauf zugegriffen, sagt Krüger. Zwei Drittel davon waren älter als 30 Jahre. Ein Spielzeug für die Jugend ist das Programm also längst nicht mehr.
Dennoch werden die Thesen noch immer federführend von einer Jugendredaktion erarbeitet. 28 Jungredakteure zwischen 18 und 26 Jahren haben in einem dreitägigen Workshop sämtliche Parteiprogramme gelesen und über jede einzelne These hart gestritten, berichtet Brandt. Der Workshop selbst war für die Presse nicht zugänglich. 300 Bewerbungen habe es gegeben. Die Auswahl soll laut Brandt aus allen Bundesländern, verschiedenen Bildungsgraden und Hintergründen zusammensetzen.

Außer Paschedag stellten sich auch Dorothee Bär (CSU), Hermann Gröhe, CDU, Andrea Nahles (SPD), Jan van Aken, (Linke) und Steffi Lemke (Grüne) zum Start dem Test. Sie alle hatten eine Übereinstimmung von über 90 Prozent mit ihrer Partei. Der Selbsttest zeigt aber, dass beim Otto-Normal-Wähler die Übereinstimmung nicht immer ganz so deutlich ist und bestätigt außerdem eine weitere Statistik: Demnach macht 9 von 10 Nutzern der Online-Test mit dem Wahl-O-Mat Spaß.

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