Politik : Buddha in Not: Taliban schießen mit Granaten auf antike Statuen

Trotz weltweiter Proteste haben die radikal-islamischen Taliban mit der Zerstörung der berühmten Buddha-Statuen von Bamian im Zentrum Afghanistans begonnen. Talibankämpfer hätten die 55 und 38 Meter hohen Statuen mit automatischen Waffen und Granaten beschossen, verlautete am Freitag aus dem Innenministerium in Kabul. Neu-Delhi bot den Taliban an, zahlreiche kleinere Buddha-Statuen nach Indien bringen zu lassen, um ihre Zerstörung zu verhindern. Auch das Metropolitan Museum in New York bot entsprechende Hilfen an. Die Unesco schickte einen Sondergesandten nach Afghanistan.

Die in Pakistan ansässige afghanische Agentur AIP berichtete, die Taliban bereiteten die Sprengung der Statuen von Bamian vor und hätten das Gelände abgesperrt. Die dortigen Buddha-Statuen werden von der Unesco als einzigartiges Gut des Welterbes eingeschätzt. Sie wurden wahrscheinlich zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert nach Christus geschaffen. Mit deren Zerstörung folgen die Taliban einem Befehl ihres Anführers Mullah Mohammad Omar. Er hatte angeordnet, alle Statuen im Land zu zerstören, um die "im Islam verbotene Anbetung von Abbildern zu verhindern".

Hintergrund:
Stichwort: Die Buddha-Statuen von Bamiyan Die Taliban begannen ihren Siegeszug 1994 mit Hilfe Pakistans

Der indische Außenminister Jaswant Singh sprach von einer "sinnlosen Zerstörung" und einem "Rückfall in mittelalterliche Barbarei". "Wenn die Taliban dieses Erbe nicht behalten wollen, wäre Indien glücklich, für den Transport der Kunstwerke nach Indien zu sorgen", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums. Auch die Regierung Pakistans, die als engster Verbündeter der Taliban gilt, verurteilte den Bildersturm. Führende Geistliche in Ägypten betonten, der Islam verbiete die Aufbewahrung von antiken Statuen keinesfalls. Die 22 arabischen Mitgliedsländer der Unesco verurteilten die "barbarischen Aktionen" der Taliban scharf und forderte am Freitag konkreten Gegenmaßnahmen.

Unesco-Generaldirektor Koichiro Matsuura schickte den früheren französischen Botschafter in Iran und Pakistan, Pierre Lafrance, als Sondergesandten nach Kabul. Er soll die Taliban dazu bringen, ihre Entscheidung zu überdenken. Der Unesco-Chef hatte am Donnerstag in einer Krisensitzung mit den Botschaftern der 54 Mitgliedsländer der Organisation der Islamischen Konferenz (OIK) über ein gemeinsames Vorgehen zur Rettung der Kulturgüter beraten. Der Direktor des Metropolitan Museum in New York, Philippe de Montebello, bot dem Taliban-Regime an, Experten nach Afghanistan zu schicken. Mit ihrer Genehmigung - und auf eigene Kosten - könnten sie vor Ort alles entfernen, was transportabel ist, um es dann im Metropolitan Museum aufzubewahren.

Die Taliban beherrschen 90 Prozent Afghanistans und haben die Weltöffentlichkeit schon mehrfach mit ihrer Auslegung des Islam schockiert. Frauen dürfen nicht außerhalb des Hauses arbeiten, den meisten Mädchen wird die Schulbildung verweigert.

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