Bürgerkrieg in Syrien : Vier Nothelfer nach Entführung freigelassen

Vier der sieben am Sonntag verschleppten humanitären Helfer sind wieder frei. Die syrische Opposition macht Al Kaida für die Entführung verantwortlich.

Einen Tag nach ihrer Entführung in Syrien sind vier der sieben verschleppten humanitären Helfer wieder frei. Die Bemühungen um die Freilassung der übrigen Kollegen dauerten an, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) am Montag in Genf mit. Die Helfer waren in der Provinz Idlib entführt worden, die am Montag von einem Anschlag mit dutzenden Toten erschüttert wurde.

Drei IKRK-Mitarbeiter sowie ein Mitarbeiter des Roten Halbmondes seien in Sicherheit und wohlauf, sagte IKRK-Sprecher Ewan Watson. Sie waren am Sonntag gemeinsam mit drei weiteren IKRK-Kollegen in der nordwestsyrischen Provinz Idlib von bewaffneten Männern verschleppt worden, nachdem sie Hilfsgüter an Krankenhäuser geliefert hatten.

Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Auch IKRK-Sprecher Watson äußerte sich nicht zu möglichen Drahtziehern. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte machte am Montag die Al-Kaida-nahe Gruppe Islamischer Staat im Irak und der Levante für die Entführung verantwortlich.

Internationales Rotes Kreuz will Arbeit in Syrien trotz Entführung fortsetzen

Das IKRK hat in Syrien rund 30 ausländische und 120 einheimische Mitarbeiter. 22 Helfer des Roten Halbmondes wurden nach Angaben eines IKRK-Sprechers in Damaskus seit Beginn des Aufstands gegen Staatschef Baschar al-Assad im März 2011 getötet. Das IKRK kündigte an, seine Arbeit in dem Bürgerkriegsland fortzusetzen. „Wir sind fest entschlossen, die syrische Bevölkerung in dieser extrem schwierigen Zeit zu unterstützen“, sagte Watson dem Schweizer Sender RTS.

Entführungen von Journalisten und humanitären Helfern sind vor allem in den von den Rebellen kontrollierten Regionen im Norden des Landes ein großes Problem. Mitte Mai waren drei deutsche Mitarbeiter der Hilfsorganisation Grünhelme in Idlib verschleppt worden. Zwei kamen Anfang Juli frei, dem dritten Entführten gelang Anfang September die Flucht.

Autobombenanschlag erschüttert erneut syrische Provinz Idlib

Bei einem Autobombenanschlag in der Provinz Idlib wurden am Montag mindestens 27 Menschen getötet und dutzende verletzt, wie die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Unter den Toten seien drei Kinder und eine Frau. Das Attentat ereignete sich demnach in der von Rebellen kontrollierten Stadt Darkusch, wenige Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt. Aktivisten zufolge explodierte die Bombe auf einem Markt.

USA wollen Planungen für Friedenskonferenz vorantreiben

Die USA wollen unterdessen die Planungen für eine Syrien-Friedenskonferenz in Genf vorantreiben. Washington sei fest entschlossen, „so bald wie möglich einen Termin festzulegen“, sagte US-Außenminister John Kerry am Montag nach einem Treffen mit dem UN-Sondergesandten Lakhdar Brahimi in London. Assad habe die nötige Legitimität verloren. Daher müsse eine Übergangsregierung eingesetzt werden, sagte Kerry.
Der Syrische Nationalrat, eine Schlüsselgruppe der Opposition, lehnt eine Teilnahme an der für Mitte November geplanten Konferenz ab. Der Präsident des Nationalrats, George Sabra, verwies zur Begründung auf das anhaltende Leiden der syrischen Bevölkerung und erklärte, vor dem Fall der Regierung Assad werde seine Gruppe nicht verhandeln. Russlands Außenminister Sergej Lawrow forderte die USA auf, die Gruppierung von einer Teilnahme an der Konferenz zu überzeugen. (AFP)

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