Bürgerkrieg : UN sprechen von der „Hölle“ in Sri Lanka

Die Vereinten Nationen warnen vor einem Blutbad in Sri Lanka. Die Tamilen-Rebellen halten immer noch 50.000 Menschen als "menschliche Schutzschilde" fest.

Christine Möllhoff

Neu-Delhi - Guerilla-Chef Velupillai Prabhakaran will offenbar noch immer nicht aufgeben. Am Freitag rief das UN-Flüchtlingswerk UNHCR ihn auf, die „Tore aus der Hölle“ zu öffnen und Tausenden Zivilisten in Sri Lanka die Flucht zu erlauben – vergeblich. Dabei ist es keine Frage mehr, dass die Tamilen-Rebellen der LTTE vor dem Aus stehen. Weniger als acht Quadratkilometer ist der Küstenstreifen im Nordosten noch groß, auf dem sich die LTTE mit zehntausenden Geiseln verschanzt hat.

Die UN schocken mit Zahlen: Danach hält die LTTE immer noch 50 000 ihrer Landsleute als „menschliche Schutzschilde“ auf dem Strandstück fest. Ein Blutbad droht. Die Armee zieht die Schlinge immer enger und rückte am Freitag weiter vor. Indien und die UN schickten Krisengesandte nach Sri Lanka. Sie appellierten an Colombo, die Kämpfe auszusetzen, um die Zivilisten zu evakuieren. Doch die Regierung winkte ab. Sie glaubt nicht daran, dass Prabhakaran die Geiseln – seine letzte Waffe – freilassen wird.

Fast 6500 Menschen kamen allein in den vergangenen Monaten ums Leben, mehr als 14 000 wurden verletzt. Während LTTE-Kämpfer ihre Landsleute mit Waffengewalt festhalten, weigert sich die singhalesische Regierung, ausländische Hilfsorganisationen zu den mehr als 100 000 Tamilen vorzulassen, die seit Montag aus dem Kampfgebiet flüchten konnten. Das Militär hatte ihnen einen Fluchtweg freigesprengt. Die Regierung steckte die Bürgerkriegsflüchtlinge in völlig überfüllte Lager, um zuerst nach versteckten Rebellen zu suchen. Aber obgleich er absehbar war, scheint Colombo nicht für den Massenansturm gewappnet. Es fehlt an Wasser, Nahrung, Medikamenten und Ärzten. Ohne schnelle Hilfe könnten viele der ausgezehrten, kranken und schwer verwundeten Tamilen sterben. Mit ihrem harten Kurs nährt die Regierung von Präsident Mahinda Rajapakse Vorwürfe, dass sie dies billigend in Kauf nimmt. Sri Lankas Militär glaubt, dass der LTTE-Chef versuchen will, auf dem Seeweg zu fliehen.Christine Möllhoff

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben