Bundespräsident : Vom TV-Gerichtssaal nach Bellevue?

Der TV-Richter Alexander Hold ist Bundespräsidentschaftskandidat der „Freien Wähler“.

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Bundesweit spielen die Freien Wähler keine große Rolle, in Bayern sind sie fest verankert.
Bundesweit spielen die Freien Wähler keine große Rolle, in Bayern sind sie fest verankert.Foto: Axel Heimken/dpa

In 2040 Folgen gab Alexander Hold auf Sat 1 den Richter. Er war verständnisvoll und mahnend, von scharfem Verstand und wenn nötig auch streng. Vor allem aber war Alexander Hold gerecht. Nun soll der 54-Jährige aus Kempten im Allgäu seine Qualitäten anderswo zum Einsatz bringen – als Bundespräsident im Berliner Schloss Bellevue.

So wollen es zumindest die „Freien Wähler“ (FW), die Hold als ihren Kandidaten ausgerufen haben für die Wahl durch die Bundesversammlung am 12. Februar nächsten Jahres. Bundesweit sind die FW bedeutungslos, in Bayern aber sind sie als bürgerliche Alternative zur CSU in den Kommunen stark verankert und sitzen auch im Landtag.

Der bei den FW omnipotente Parteichef Hubert Aiwanger sieht in Hold einen „Glücksfall für unser Land“. Bei den Bürgern genieße er „hohes Vertrauen“. Hold selbst beschreibt, wie er als Präsident sein möchte: „unabhängig, sachbezogen und bürgernah“.

Der Fernsehdarsteller ist tatsächlich Richter. Zudem sitzt er für die Freien Wähler im Kemptener Stadtrat und ist sogar Fraktionsvorsitzender. Am dortigen Amts- und am Landgericht war er sowohl für Straf- als auch Zivilsachen zuständig. 2001 schied er wegen seiner blühenden TV-Karriere aus dem Staatsdienst aus, als Richter auf Lebenszeit ist ihm aber eine Rückkehr garantiert.

„Ich schätze meine Erfolgschancen realistisch ein“

Nicht zum ersten Mal versucht Hubert Aiwanger, mit spektakulären Personalien politisch zu punkten. 2013 konnte er kurzzeitig den Adenauer-Enkel Stephan Werhahn sowie den ehemaligen Wirtschaftsfunktionär Hans-Olaf Henkel für die FW gewinnen. Mit ihnen wollte die Partei im selben Jahr in den Bundestag einziehen. Es blieben kurze Gastspiele: Werhahn ging zurück zur CDU, Henkel zog zur AfD weiter, die er dann aber auch verließ. Bei der Wahl erhielten die FW bundesweit 1,0 Prozent. In landespolitischen Umfragen in Bayern liegt die Partei derzeit bei nur fünf Prozent.

Dafür sorgte ein Landtagsabgeordneter mit einer Verurteilung wegen wiederholter Trunkenheitsfahrten für Schlagzeilen. Nun soll Richter Alexander Hold mit seinem Promi-Glanz helfen. Die Bundesversammlung besteht aus 1260 Mitgliedern, entsandt von Bundestag und Landtagen. Die Freien Wähler dürften, wie bereits bei der Wahl von Joachim Gauck 2012, zehn Wahlmänner und -frauen stellen. Ihre Bedeutung ist also überschaubar. Und Hold sagt: „Ich schätze meine Erfolgschancen realistisch ein.“

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