Politik : Bundestag beschließt Bau des Holocaust-Mahnmals in Berlins Mitte

BONN (sks). Nach über zehnjähriger öffentlicher Diskussion hat der Bundestag am Freitag entschieden, daß in Berlin ein Holocaust-Mahnmal errichtet werden soll. Die Mehrheit des Bundestags plädierte für den Entwurf des US-Architekten Peter Eisenman. Er sieht ein Feld mit 2600 Betonstelen vor, das durch einen Ort der Information ergänzt wird. Der Vorschlag des Theologen Richard Schröder, lediglich eine Säule zu errichten mit der in hebräischer Sprache gehaltenen Inschrift "Du sollst nicht morden", fand keine ausreichende Zustimmung. Zudem entschieden sich die Abgeordneten dafür, dieses Mahnmal nur den ermordeten Juden in Europa zu widmen, nicht aber allen Opfern von NS-Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Nach der mehrstündigen Debatte, an die sich eine Reihe von Abstimmungen über die unterschiedlichen Facetten der Mahnmal-Gestaltung anschlossen, votierten 314 Abgeordnete für den Eisenman-Entwurf, 209 stimmten dagegen, und 14 Mandatsträger enthielten sich der Stimme. Nur zwei Redner sprachen sich für einen gänzlichen Verzicht auf ein Mahnmal aus.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) führte in die abschließende Beratung mit den Worten ein, das Mahnmal solle "die Erschütterung über das Unsagbare, das den Opfern angetan wurde, wachhalten". Er nannte es gut, "daß ein Denkmal von nationaler Bedeutung auch vom nationalen Parlament" beschlossen worden sei.

Die Vorsitzende des Mahnmal-Fördervereins, Lea Rosh, zeigte sich "mehr als erleichtert". Jetzt müsse darauf geachtet werden, daß das vorgesehene Stelenfeld nicht verkleinert und der vereinbarte Informationsraum nicht vergrößert werde. Rosh verfolgte die Debatte von der Besuchertribüne aus.

"Zu einem würdigen, schlichten Mahnmal in der Mitte Berlins" bekannte sich in der Bundestagsdebatte auch der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU). Zugleich allerdings leugnete er nicht seine anhaltenden Vorbehalte gegen den Eisenman-Entwurf.

Den hingegen favorisierte seine Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD). Zwar gebe es in Berlin zahlreiche Erinnerungsstätten, "aber kein Denkmal, das unsere Trauer und unseren Schmerz ausdrückt". Der Berliner SPD-Spitzenkandidat Walter Momper zeigte sich "froh über die jetzt getroffene Entscheidung".

Ein "Zeichen der Trauer" soll das Mahnmal nach den Worten von Staatsminister Michael Naumann in Berlin werden. Es sei Erinnerung an die Ermordung von Millionen Menschen. "Vor ihnen verneigen wir uns heute im Parlament auch über die Grenzen der Parteien hinweg", betonte der Kulturbeauftragte der Bundesregierung. Dem CDU-Politiker Norbert Lammert war die Entscheidung für ein Mahnmal wichtiger als die Frage der künftigen Ausgestaltung. Ein Mahnmal mit Ergänzungen wurde auch von den meisten jungen Abgeordneten im Parlament favorisiert: Künftige Generationen brauchten zusätzlich zum Stelenfeld auch Informationen, um Zugang zu den historischen Vorgängen zu erhalten.

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