Bundestag entscheidet über Ehe für alle : „Berlin-Mitte ist nicht der Maßstab“

Eine Gewissensentscheidung: Was den CDU-Mann Thomas Bareiß dazu bewegt, am Freitag im Bundestag gegen die Ehe für alle zu stimmen.

Der CDU-Abgeordnete Thomas Bareiß aus Baden-Württemberg.
Der CDU-Abgeordnete Thomas Bareiß aus Baden-Württemberg.Foto: Thomas Bareiß

Herr Bareiß, Sie wollen im Bundestag gegen die Ehe für alle stimmen. Warum?

Schon allein der Begriff drückt Beliebigkeit aus. Für mich ist klar, dass die Ehe vom Grundgesetz geschützt ist und die Verbindung von Mann und Frau ausdrückt. Sie ist der Anfang von Familie und Kindern, insofern der Keim unserer Gesellschaft. Da gibt es für mich keinen Spielraum.

Zur Ehe für alle gehört auch das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. Was spricht für Sie dagegen?

Bisher haben wir immer vom Kindeswohl her argumentiert. Daran hat sich für mich nichts geändert. Natürlich können dem Kind auch in anderen Konstellationen Werte vermittelt werden oder gegenseitig Verantwortung übernommen werden – etwa von einer Alleinerziehenden oder bei gleichgeschlechtlichen Paaren. Aber die Idealform aus Kindessicht ist das Ehepaar: mit Mutter und Vater. Das sollte bei den hohen rechtlichen Anforderungen an die Adoption auch nach wie vor klar definiert sein.

Wie bewerten Sie denn den Sinneswandel von Angela Merkel im Bezug darauf?

Ich weiß nicht, ob Angela Merkel einen Sinneswandel für sich vollzogen hat. Sie hat Anfang der Woche zum Ausdruck gebracht, dass jeder Abgeordnete auf Familie und Ehe eine persönliche Sicht hat, deshalb kann ich verstehen, dass sie die Entscheidung im Parlament als Gewissensentscheidung sieht.

Sie hat die Union aber jetzt in eine missliche Lage gebracht.

Vor allem hat unser Koalitionspartner SPD die Äußerungen von Angela Merkel zum Anlass genommen, eine Entscheidung im Hauruckverfahren zu erzwingen. Unser Partner begeht damit aus meiner Sicht einen Vertrauens- und Koalitionsbruch. Die Abstimmung kommt urplötzlich auf den Tisch, ohne dass wir wirklich eine grundsätzliche und breite gesellschaftliche Debatte geführt haben. Das ist nicht nur höchst undemokratisch, sondern auch der Sache unwürdig.

Die Ehe für alle wird aber schon seit vielen, vielen Jahren in Deutschland diskutiert.

In meinen Veranstaltungen und Gesprächen habe ich den Eindruck, dass sich viele Menschen damit nicht auseinandergesetzt haben, für sie kommt es überstürzt. Man muss ja auch sehen, dass Berlin-Mitte nicht der Maßstab für ganz Deutschland ist. In Baden-Württemberg wird die Debatte zum Beispiel oft ganz anders gesehen. Es gibt womöglich eine schweigende Mehrheit in der Bevölkerung, die die Ehe für alle nicht will.

Das Interview führte Maria Fiedler.

Thomas Bareiß (42) ist direkt gewählter CDU-Abgeordneter aus Baden-Württemberg. Er sitzt seit 2005 im Bundestag und ist unter anderem Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie.

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