Bundesverdienstkreuz für Nazi-Jägerin : Die späte Ehrung der Beate Klarsfeld

Immer wieder hat die Linke eine Ehrung für die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld beantragt, die 1968 den damaligen CDU-Kanzler Kurt Georg Kiesinger ohrfeigte und als "Nazi" beschimpfte. Jetzt bekommen sie und ihr Mann Serge das Bundesverdienstkreuz.

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Beate Klarsfeld
Beate Klarsfeld vor einem Jahr bei der Aktion der Linkspartei "Lesen gegen das Vergessen"Foto: Christoph Schmidt/dpa

Auch zunächst unendlich erscheinende Geschichten können einen guten Ausgang nehmen. Die um die Nazi-Jägerin Beate Klarsfeld ist so eine, die Frau, der in der Bundesrepublik jahrelang eine Würdigung versagt blieb. Obwohl sie gemeinsam mit ihrem Mann Serge ihr Leben aufs Spiel setzte, um NS-Kriegsverbrecher wie Kurt Lischka, Alois Brunner, Klaus Barbie und andere aufzuspüren und zu überführen. Jetzt bekommen beide doch noch das Bundesverdienstkreuz, wie das Bundespräsidialamt bestätigte. In Frankreich und Israel etwa ist die 76-jährige Deutsch- Französin schon vor Jahren geehrt worden.
Dass Bundespräsident Joachim Gauck und seine Vorgänger ebenso zögerlich waren wie das mit der Sache befasste Auswärtige Amt, hat wohl auch mit der spektakulärsten Aktion von Beate Klarsfeld zu tun. Am 7. November 1968 hatte sie das Podium eines CDU-Parteitages in der Berliner Kongresshalle erklommen. Sie ohrfeigte Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und schrie ihm ein „Nazi, Nazi, Nazi“ entgegen. In einem Schnellverfahren wurde sie zu einem Jahr Haft verurteilt. Wegen ihrer auch französischen Staatsbürgerschaft musste sie die Strafe aber nicht antreten, später wurde sie in einem Berufungsverfahren auf vier Monate mit Bewährung reduziert.
Für die Auszeichnung von Beate und Serge Klarsfeld stark gemacht hatte sich seit vielen Jahren die Linke. Sie war es auch, die Beate Klarsfeld 2012 ins Rennen um das Amt des Bundespräsidenten schickte – und damit auch ins Rampenlicht. Der Vorschlag der damaligen Parteichefin Gesine Lötzsch war zunächst mehr symbolisch gemeint. Denn intern war bereits der Armutsforscher Christoph Butterwegge als Kontrahent von Gauck auserkoren. Doch die Sache nahm schnell Dynamik an. Und mit ihr kamen auch neue die Diskussionen über die Frage auf, warum sich Klarsfeld bei ihren Aktionen von der DDR hat helfen lassen und dabei – möglicherweise unwissentlich – auch mit der Stasi in Kontakt kam. Nach der Ohrfeige hatte sie von der SED eine Belohnung von 2000 D-Mark erhalten.

Warum haben die Klarsfelds alte Nazis in der Bundesrepublik enttarnt, nicht aber in der DDR? Beate Klarsfeld sagte dazu 2012, es sei ihr um die Fälle gegangen, in denen Nazi-Verbrecher auch vor Gericht gestellt werden könnten. Dazu sah sie demnach in der DDR keine Möglichkeit. Kritische Fragen dazu nannte sie „unverschämt“, denn: „Die DDR hat uns die Hand ausgestreckt. Wir haben sie auch angenommen.“ Gauck war 2010 erstmals mit der Geschichte von Klarsfeld konfrontiert worden. Zwei Jahre später sagte er dazu: „Ich bin dankbar, dass es Menschen gibt, die uns Deutschen zeigen: Ich will nie vergessen.“ Bis zur Ordensverleihung hat es nun noch einmal drei weitere Jahre gedauert.

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