Politik : Bundeswehr: Beruf statt Pflicht

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Andere westeuropäische Länder haben die Abschaffung der Wehrpflicht bereits in die Tat umgesetzt: Neben den Vorreitern Belgien und den Niederlanden beschloss Frankreich 1996 die Umbildung und Verkleinerung seines Heeres in eine Berufsarmee, die seit Beginn dieses Jahres abgeschlossen ist. Eine kleine, effiziente Einsatztruppe schien zeitgemäßer, besonders mit Blick auf Auslandseinsätze. Die Umstellung führte jedoch nicht zu einer finanziellen Entlastung. Vielmehr zeigte sich, dass das Berufsheer teurer, aber nur unwesentlich effizienter ist als eine Wehrpflichtigenarmee.

Auch in Italien ist das Berufsheer beschlossene Sache: Bis 2005 soll die Umstellung erfolgen. Dort hofft man, mit einer Militärlaufbahn den zahlreichen jungen Arbeitslosen des Landes eine Zukunftsperspektive zu bieten.

Dieses Kalkül ist indes in Spanien nicht aufgegangen: Auch hier ist die Arbeitslosenquote hoch - aber es gibt weit weniger Bewerber für die Berufsarmee als erwartet. Als er die Bildung einer Berufsarmee ankündigte, löste Präsident José Maria Aznar ein Wahlversprechen ein. Die Wehrpflicht war äußerst unbeliebt und schlecht bezahlt, das Militär genoss aufgrund seiner Verbindungen zu dem spanischen Diktator Franco wenig Ansehen. Das Madrider Verteidigungsministerium hat unterdessen die Tauglichkeitskriterien gesenkt und rekrutiert in Lateinamerika unter den Nachfahren spanischer Auswanderer.

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