Politik : Bundeswehr will Zivilisten ausbilden

Führungsakademie prüft entsprechende Pläne

Sarah Kramer

Berlin/Hamburg - Teile der Generalstabsausbildung an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg sollen möglicherweise schon im kommenden Jahr auch Zivilisten offenstehen. „Wir prüfen derzeit, welche Kurse des Programms auch für Nicht-Militärs interessant sein könnten“, sagte Lehrgangsleiter Michael Gschoßmann dem Tagesspiegel. Generalmajor Wolf-Dieter Löser, Kommandeur der Führungsakademie, habe die Überprüfung vor kurzem in Auftrag gegeben.

Die FüAkBw ist die höchste Ausbildungsstätte der Bundeswehr. Nur die besten Offiziere eines Jahrgangs werden für den Lehrgang Generalstabsdienst/Admiralstabsdienst an der Akademie ausgewählt. Ein gewisser Anteil derer, die diese Ausbildung absolvieren, wird einige Jahre nach dem Lehrgang General und Admiral und dient damit in wichtigen Schlüsselpositionen der Streitkräfte. Die zweijährige Generalstabsausbildung an der Führungsakademie kostet rund 75 000 Euro pro Teilnehmer.

Noch ist unklar, wie die Ausbildung für Externe an der Bundeswehr-Führungsakademie im Detail aussehen soll – angefangen von der Teilnehmerstruktur über die Finanzierung bis hin zu Sicherheitsfragen. Lediglich die möglichen Inhalte eines derartigen Angebots könne man bereits zum jetzigen Zeitpunkt umreißen, sagt Lehrgangsleiter Gschoßmann. „Vor allem die Kurse in Führung und Management, Sanitäts- und Gesundheitswesen und Sozialwissenschaften kommen infrage.“

Die Bundeswehr erhofft sich von dieser Öffnung Synergieeffekte auf verschiedenen Ebenen: Das gemeinsame Lernen von Soldaten und Zivilisten soll eine Atmosphäre schaffen, die Vorurteile abbaut und die Kreativität auf beiden Seiten fördert. Zudem verspricht man sich von der Kooperation neue Kontakte mit zivilem Führungspersonal, die sich vor allem bei künftigen Auslandseinsätzen als wertvoll erweisen könnten. „Besonders im Ausland arbeiten wir immer häufiger mit zivilen Organisationen zusammen“, erläutert Gschoßmann. „Eine Kooperation bei der Ausbildung unseres Führungspersonals könnte das gegenseitige Verständnis schulen.“ Wenn es dazu kommt, könnte die Bundeswehr möglicherweise auch aus finanzieller Sicht profitieren: Mit den Externen ließe sich ein erkleckliches Sümmchen einnehmen. Ein Ausbildungstag an der Führungsakademie der Bundeswehr kostet im Schnitt 240 Euro.

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