Bundeswehrsoldat unter Terrorverdacht : Komplize belastet Oberleutnant

Dem verhafteten Bundeswehrsoldat, der sich als Flüchtling ausgegeben hatte, wird Betrug und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Zudem wird der Oberleutnant von einem Komplizen belastet.

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In der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Zirndorf stellte der verhaftete Oberleutnant einen Asylantrag.
In der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Zirndorf stellte der verhaftete Oberleutnant einen Asylantrag.Foto: dpa

Der Oberleutnant der Bundeswehr, der sich als Flüchtling ausgab und einen Anschlag geplant haben soll, wird von seinem mutmaßlichen Komplizen belastet. Der Student Mathias F. habe gegenüber dem Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Frankfurt am Main angegeben, er habe die bei ihm gefundene Gewehrmunition von dem Offizier erhalten, sagten am Freitag Sicherheitskreise. Oberleutnant Franco Hans A., der ebenfalls dem Ermittlungsrichter vorgeführt wurde, habe hingegen geschwiegen. Die Polizei hatte die Männer am Mittwoch festgenommen, am Donnerstag steckte das Amtsgericht die beiden in Untersuchungshaft.

Im Haftbefehl wird dem 28-jährigen Offizier Betrug und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen, dem Studenten (24) ein Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt zudem gegen die Männer wegen des Verdachts, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Der Offizier war bereits im Februar aufgefallen, als er im Wiener Flughafen eine von ihm versteckte, 60 Jahre alte französische Pistole holen wollte.

Ende 2015 täuschte der Soldat vor, Syrer zu sein

Die Männer sollen, wie berichtet, in abgehörten Gesprächen gegen Flüchtlinge gehetzt und überlegt haben, einen Anschlag zu verüben, der als Tat eines Asylbewerbers erscheinen sollte. Womöglich zur Vorbereitung einer Attacke hatte der Oberleutnant Ende 2015 in der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge vorgetäuscht, Syrer zu sein. Im Januar 2016 stellte der Offizier im bayerischen Zirndorf bei der Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) einen Asylantrag.

Nach Informationen des Tagesspiegels wurde der Mann im November in Zirndorf in Beisein eines Dolmetschers angehört. Franco Hans A. erzählte, er sei syrischer Christ, habe Abitur und könne nur Französisch. Später gewährte das BAMF Asyl. Zuvor schon pendelte der Offizier zwischen einer Flüchtlingsunterkunft im Landkreis Erding und einer Kaserne im französischen Illkirch, wo er stationiert war. Das BAMF beantwortete am Freitag keine Fragen des Tagesspiegels.

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