Politik : Caritas: Ein-Euro-Jobs schaffen keine Arbeit

Florian Oel

Berlin - Ein-Euro-Jobs würden als Arbeitsmarktinstrument nur dann gut funktionieren, wenn es danach die Aussicht auf feste Stellen gäbe. Dieses Fazit zogen die Teilnehmer einer Fachkonferenz des Deutschen Caritasverbandes in Berlin.

An sich bewerteten die Teilnehmer Ein-Euro-Jobs positiv: Mit ihnen könne einiges erreicht werden. „Die Menschen erfahren eine Stabilisierung“, sagte Hartmut Fritz, Direktor des Caritasverbands Frankfurt am Main. Die Idee der Maßnahmen funktioniere: Arbeitslose kämen wieder ins Arbeitsleben, sie würden zum Teil für neue Aufgaben qualifiziert. Am Arbeitsmarkt könne damit jedoch nichts bewegt werden. Solange die Konjunktur nicht anziehe, könnten Ein-Euro-Jobber auch nicht in neue Stellen vermittelt werden, meinte der Düsseldorfer Caritas-Direktor Johannes Böcker. Sein Fazit: „Wir drehen uns im Kreis, solange die Wirtschaft nicht wieder wächst und neue Stellen entstehen.“

Die Caritas-Einschätzung nach gut vier Monaten Hartz IV ist somit eher ernüchternd. Einige Ein-Euro-Jobber konnten zwar in reguläre Jobs vermittelt werden. Dies gilt vor allem für den Pflegebereich – doch auch hier handelt es sich hauptsächlich um Teilzeitstellen. Die Mehrzahl der Arbeitslosen aber bleibt laut Caritas in Ein-Euro-Jobs hängen. Genaue Zahlen allerdings kennt noch niemand.

Nach Ansicht der Caritas-Direktoren hakt es an vielen Stellen, die schwache Konjunktur ist nicht an allem schuld. Ein Problem: Die Fallmanager seien noch immer mit der Leistungsberechnung beschäftigt. Für individuelle Betreuung bleibe keine Zeit, klagte der Frankfurter Caritas-Direktor Fritz. Die Jobcenter seien zudem auf die Vermittlung von Ein- Euro-Jobs fixiert. „Andere Instrumente wie berufliche Fort- und Weiterbildung bleiben weitestgehend unberücksichtigt, obwohl ausreichende finanzielle Mittel vorhanden sind.“

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