Casdorffs Agenda : Helmut Kohl hätte den Nobelpreis verdient

Heute wird der Träger des Friedensnobelpreises bekanntgegeben. Die Juroren sollten sich dabei an die epochale Leistung von Helmut Kohl erinnern.

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Wiedervereinigung: Helmut Kohl (Mitte) bei der Feier in Berlin am 3. Oktober 1990
Wiedervereinigung: Helmut Kohl (Mitte) bei der Feier in Berlin am 3. Oktober 1990Foto: picture alliance /dpa/Wolfgang Kumm

Heute um elf gilt's. Bekommt Angela Merkel den Friedensnobelpreis für ihre Flüchtlingspolitik? Das fehlte noch. Nicht nur, weil die CSU sich nicht länger aufregen dürfte, allen voran Horst Seehofer. Obwohl der vor Wut sicher fast platzen würde. Denn noch dazu bekäme Merkel den Preis zu einer Zeit, da sie diese Politik der offenen Grenze gar nicht mehr betreibt. Die CSU hat sich längst durchgesetzt.

Aber es wäre ja nicht das erste Mal, dass das Nobelkomitee zeitlich daneben liegt. Wie bei Barack Obama. Der bekam den Preis gewissermaßen als Anzahlung. Rentiert hat sich das nicht. Die Welt ist am Ende von Obamas Amtszeit kein friedlicherer Ort geworden.

Einer, der den Nobelpreis wirklich verdient hätte, ging bisher immer leer aus: Helmut Kohl, der Rekordkanzler und Ehrenbürger Europas. Die Vereinigung Deutschlands auf den Weg gebracht zu haben, ohne dass ein Tropfen Blut vergossen wurde - das ist epochal. Vielleicht erinnern sich die Juroren doch noch daran. Und überraschen uns heute, um elf.

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