Casdorffs Agenda : Jedes Jahr nach Yad Vaschem

Warum besuchen nicht alle deutschen Berufspolitiker einmal im Jahr Yad Vaschem? Um sich zu erinnern, wo sie herkommen. Ein Kommentar.

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Der Blick zeigt die Halle der Namen im neuen Holocaust-Geschichtsmuseum in der Gedenkstätte Yad Vashem.
Der Blick zeigt die Halle der Namen im neuen Holocaust-Geschichtsmuseum in der Gedenkstätte Yad Vashem.Foto: picture-alliance/dpa

Johannes Rau war ein großer Freund Israels. Jürgen Rüttgers, kein Sozialdemokrat, ein Christdemokrat, folgte ihm im Amt des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten nach - und auch darin, jedes Jahr nach Yad Vaschem zu reisen. Nicht nur für einen kurzen Rundgang, sondern für eine Form von Kontemplation, die Ernsthaftigkeit zeigt. Drei Stunden blieb er, manchmal länger. Als hätte er alle Zeit der Welt. Um sich und andere daran zu erinnern, wie kurz der Holocaust her ist. Um sich und andere zu mahnen, dass deutsche Politik untrennbar mit dem Staat der Juden verbunden ist. Wenn also darin eine bleibende Verantwortung liegt - warum besuchen dann nicht alle deutschen Berufspolitiker einmal im Jahr Yad Vaschem? Um sich zu erinnern, wo sie herkommen. Um sich ihrer Aufgabe für nachfolgende Generationen zu versichern. Da sind drei Stunden nicht alle Zeit der Welt. Aber eine gute Zeit, die Staatsräson vorzuleben, von der Angela Merkel als Bundeskanzlerin gesprochen hat.

Stephan-Andreas Casdorff ist diese Woche in Israel, führt dort Gespräche mit Politikern und absolviert mit anderen Journalisten-Kollegen ein Seminar in Yad Vashem. Eindrücke zur politischen Situation schildert er in diesen Tagen unter anderem in seiner Kolumne "Casdorffs Agenda", die jeden Morgen in der Morgenlage erscheint, dem Newsletter für Politik- und Wirtschaftsentscheider, den sie hier kostenlos abonnieren können.

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