Causa Schavan : Warten und schweigen

Tritt Annette Schavan nach der Aberkennung ihres Doktortitels nun zurück? Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Bildungsministerin wollen demnächst mal in Ruhe miteinander reden. Auch die Uni Düsseldorf bleibt vorerst stumm.

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Auf ihrer Homepage führt Annette Schavan den Doktortitel weiter.
Auf ihrer Homepage führt Annette Schavan den Doktortitel weiter.Foto: dpa

Angela Merkel und Annette Schavan wollten sich auch am Freitag nicht zu ihrem geplanten Gespräch über die Aberkennung des Doktortitels der Bundesbildungsministerin äußern. „Die Ministerin Schavan befindet sich im Flugzeug auf dem Rückflug von einer Dienstreise nach Südafrika. Die Bundeskanzlerin befindet sich in den Verhandlungen des Europäischen Rates in Brüssel. Und wenn beide zurückgekehrt sind, (...) dann wird es Gelegenheit geben, in Ruhe miteinander zu reden“, sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter am Freitagnachmittag in Berlin. Den genauen Zeitpunkt könne er nicht sagen. „Darüber bestimmen die Bundeskanzlerin und die Bundesministerin.“

Auch an der Universität in Düsseldorf herrscht Schweigen. Selbst intensive Bitten öffnen im Moment keine Türen, die Spitze der Hochschule hat sich verpflichtet, stumm zu bleiben. Obwohl führende Berliner Christdemokraten den Vorwurf erheben, die Alma Mater von Annette Schavan habe ein politisch gesteuertes Verfahren gegen die Wissenschaftsministerin inszeniert, bleibt die Gegenwehr erstaunlich matt. „Die Heinrich-Heine-Universität führt kein politisches Verfahren“, hatte Rektor Hans Michael Piper zur Causa Schavan schon vor einiger Zeit erklärt. Dieses Zitat mag er auch im Lichte der sehr konkreten Anwürfe aus der Spitze der Unions-Bundestagsfraktion nicht präzisieren. Stattdessen verweisen die Düsseldorfer auf jene Institutionen aus dem Wissenschaftsbetrieb, die ihnen beigesprungen sind, wie der Philosophische Fakultätentag und der Deutsche Hochschulverband. „Das muss reichen, wir wollen die politische Debatte nicht weiter befeuern“, heißt es dazu.

Hinter den Kulissen der Hochschule wird allerdings intensiv darüber debattiert, ob diese zurückhaltende Art der Verteidigung angesichts der massiven Anwürfe ausreicht. „Der Rektor ist ein vorsichtiger Mensch“, erklärt einem dazu einer aus dem Kreis der Insider unter den Hochschullehrern. Der Mann berichtet davon, wie sehr es die Verantwortlichen in der Universität schmerzt, dass die amtierende Wissenschaftsministerin sich offenbar entschieden hat, ihren Ruf zu verteidigen, indem sie ihrer eigenen Hochschule die Kompetenz abspricht: „Sie bezeichnet uns als unfähig, um hinterher zu sagen, Recht bekomme ich da nicht, sondern nur vor Gericht.“ Er fügt noch hinzu, dass der Vorwurf, das Verfahren sei politisch gesteuert gewesen, angesichts der handelnden Personen geradezu absurd sei: „Keiner von denen ist links, die sind eher rechts und befinden sich im Widerstand zur rot-grünen Landesregierung.“

Natürlich, fügen andere Insider hinzu, habe die Universität „medientechnisch“ Fehler gemacht. „Der Begriff leitende Täuschungsabsicht durfte nicht in dem Sachbericht stehen und öffentlich durfte er schon gar nicht werden“, wird kritisiert. Aber das habe nichts mit den sachlichen Ergebnissen der Untersuchung zu tun. „Wenn ich eine ganze Seite abschreibe, sie nicht kenntlich mache und nur drei Verben austausche, dann kommt der Verdacht auf, dass jemand vorsätzlich handelt und nicht flüchtig“, heißt es. Systematisch sei gegen Zitierregeln verstoßen worden. Dieser eindeutige Befund könne durch weitere Gutachten nicht aus der Welt geschafft werden; debattieren könne man allenfalls über die Konsequenzen.

Studenten sehen es ähnlich. „Ich habe Angst, dass aus politischen Gründen der Ruf der Universität beschädigt wird, und das stört mich“, ist da etwa zu hören. Dass die Zitierregeln zu anderen Zeiten anders gewesen sein könnten, wird bestritten und durch Regelwerke nachgewiesen. Diese kennen auch die heutigen Studenten. „Ich lese ein Buch, lege es weg und lasse den Sachverhalt dann aus dem Kopf in meinen Text einfließen – und gebe trotzdem die Quelle an“, berichtet eine Studentin. (mit dpa)

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