CDU-Wahlkampf : Wir alle zusammen mit ihr für sie

Die CDU schneidet ihren Wahlkampf jetzt ganz auf die Kanzlerin zu – die wagt in den Spots sogar einen Scherz über Frisuren.

Robert Birnbaum

Berlin - Die Stimme soll sanft und suggestiv klingen, aber das ist eine Tonlage, die Angela Merkel nun mal nicht liegt. Die CDU-Vorsitzende erinnert darum entfernt an die Schlange Ka aus dem „Dschungelbuch“, wenn sie in die Kamera schmeichelt: „Gemeinsam können wir viel erreichen – wir alle zusammen!“ Bei der CDU läuft die „zweite Welle“ ihrer Wahlkampagne an. Und das heißt: Die Plakate mit den Kabinettsmitgliedern werden überklebt, auch sonst bestimmt nun die Kanzlerin allein das Bild.

Das ist immerhin konsequent. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla zeigt sich denn auch am Mittwoch, als er die neuen Werbespots vorstellt, gänzlich unbeeindruckt von Kritik an diesem Wahlkampfstil, selbst – oder vielleicht: gerade – wenn sie von einem wie Friedrich Merz kommt. Merz hatte bei einem Auftritt im CDU- Ortsverband Altglienicke die Hoffnung geäußert, dass seine Partei doch noch einmal über Themen redet. „Ich gehöre zu denjenigen, vielleicht zu den wenigen in der CDU, die bedauern, dass wir keine harte inhaltliche Auseinandersetzung führen“, notierte ein „Spiegel online“-Reporter. Pofalla, darauf angesprochen, setzt im Kinosaal im Sony-Center seine Konfirmandenmiene auf. „Wir diskutieren nun wirklich seit Wochen“, sagt Merkels General, und: „Im Kanzlerinnen-Film wird sehr deutlich gesagt, was Angela Merkel will!“

Das stimmt – nämlich bleiben, was sie ist. Es gibt zwei Spots, die sieben Mal in ARD und ZDF zu sehen sein werden, 150-fach im Privatfernsehen und 250-fach in den Regionalprogrammen. Den einen nennt Pofalla „den Wir-Spot“. Er fängt mit einem Auge in Nahaufnahme an und hört damit auf. Dazwischen sagen Menschen in Sätzen, die mit „Wir“ anfangen, dass ihnen „Wissen“ wichtig sei oder „Neugier“. Dass es nicht um Versicherungsreklame geht, sondern um die CDU, ist erst im letzten Bild zu lesen. Der andere müsste in Pofallas Terminologie eigentlich der Ich-Spot heißen. „Ich wurde nicht als Kanzlerin geboren“, sagt Merkel, hinter ihr verwaschene Filmstücke vom Fall der Mauer. Lebenslauf im Blitzdurchgang, Ministerin, Kanzlerin. „Jeden Tag lerne ich etwas dazu“, sagt Merkel, „das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen“, also zum Beispiel, „wie wichtig eine Frisur sein kann“. Ironisches Lächeln. Das ist echt, Ironie liegt ihr. Was sonst noch wichtig ist? Siehe oben: „Gemeinsam können wir viel erreichen.“

Dieser Linie des Kanzlerbonus pur folgt auch die Plakat-Merkel – mal mit dem Versprechen „Klug aus der Krise“, mal mit dem Werben für „ein neues Miteinander“. Das soll die hohen Popularitätswerte der Frau im Kanzleramt irgendwie doch in Stimmprozente am 27. September ummünzen. Die Demoskopen registrieren freilich weiter nur den immer gleichen Dauerwiderspruch. Einerseits, so dokumentiert es das Institut Allensbach in der FAZ, sehen drei Viertel aller Befragten die Union als Wahlsieger. Die gleichen Leute geben der CDU/CSU in der Sonntagsfrage gerade 35,5 Prozent – so viel wie der Reform-Merkel 2005.

Dagegen sind die Sorgen der CDU mit dem „größten Plakat des Wahlkampfs“ fast nicht der Rede wert. Pofalla hat es am Dienstag am Charlottenburger Tor enthüllt, 1660 Quadratmeter mit den Fotos von 1800 CDU-Unterstützern, die 28 Meter hoch über der Straße des 17. Juni schweben. Das Problem ist nur: Das dürfen sie nicht. Klaus-Dieter Gröhler, Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, hat die Stiftung Denkmalschutz aufgefordert, das Riesenposter abzuhängen. Denn, sagt CDU-Mitglied Gröhler, das Land Berlin als Besitzer verbietet jede politische oder religiöse Reklame an landeseigenen Bauten.

Volker Härtig, Geschäftsführer der Stiftung, gibt ihm zähneknirschend recht: „Das ist dumm gelaufen.“ Aber man habe die Anlage mit dem Polit-Werbeverbot dem Vertragspartner Megaposter weitergegeben. Megaposter will dazu öffentlich gar nichts sagen und redet lieber bloß mit der CDU. Dabei, verrät Härtig, gehe es auch darum, ob Megaposter eine sechsstellige Vertragsstrafe vermeiden kann. Das Poster hängt derweil weiter. Und es hat jetzt eine Chance, die es vorher nie hatte: richtig berühmt zu werden.

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