Politik : Chef der Debatte

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Eigentlich wollte Reinhard Bütikofer seine parteipolitische Karriere vor einem halben Jahr beenden. Doch wenn SPD und Grüne in diesen Tagen letzte Details der Agenda 2010 verhandeln, sitzt er am Verhandlungstisch dem Kanzler gegenüber. Sein neues Amt als GrünenChef verdankt der frühere Bundesgeschäftsführer auch dem Misstrauen seiner Parteifreunde gegenüber allzu mächtigen Figuren. Als das eingespielte Duo Claudia Roth und Fritz Kuhn im Dezember 2002 ihre Ämter aufgab, weil der Parteitag an der Trennung von Amt und Mandat festhielt, wurden Bütikofer und Angelika Beer ihre Nachfolger. Viele Grüne sahen damals Chaos heraufziehen. Wenn der im realpolitisch geprägten Landesverband Baden-Württemberg aufgestiegene Politprofi heute mit dem Kanzler ringt, mag er an hämische Kommentare zu seiner Wahl denken, wonach „der Büti“ im Kanzleramt gar nicht erst vorgelassen werde. Auch andere dunkle Prophezeiungen erfüllten sich nicht: Das Zusammenspiel von Ministern, Fraktion und Parteispitze funktioniert. Inzwischen lobt auch der heimliche Parteichef Joschka Fischer die Arbeit Bütikofers. Der 50-Jährige ist zwar kein Volkstribun, wirkt aber in seine Partei hinein sehr integrierend und kann mit intellektueller Offenheit Diskussionsprozesse zu Ergebnissen bringen. Denn grundsätzlich debattieren wollen die Grünen auch als Regierungspartei noch. hmt

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