Politik : "Chemiewaffen aus Russland"

Ashwin Raman

In einem Interview mit dem islamistischen pakistanischen Journalisten Hamid Mir soll Osama bin Laden berichtet haben, er besitze nukleare und chemische Waffen. Auf die Frage, woher er diese habe, empfahl er Hamid Mir, zur nächsten Frage überzugehen. So drückt sich jedoch kein Araber aus. Es ist offensichtlich, dass eine andere Antwort gegeben wurde. Mohsin Babbar, ein Reporter der pakistanischen Zeitung "Al Ausaf", der seinen Chefredakteur Hamid Mir zu dem Interview begleitete, berichtete am Telefon, bin Laden habe gesagt: "Wir haben doch viele junge Tadschiken und Usbeken in unseren Reihen, die seit Jahren Kontakt zu russischen Wissenschaftlern pflegen." Auf die Frage ob er gegen die Kriegsallianz in Afghanistan solche Waffen einsetzen würde, sagte bin Laden: "Nein. Wir können doch nicht dem afghanischen Volk damit schaden. Die Amerikaner haben jedoch in diesen Tagen chemische Waffen gegen uns eingesetzt. Die al Qaida gibt es in der ganzen Welt. Wir werden gegebenenfalls diese Waffen in anderen Ländern benutzen." Während des Gesprächs stellte er klar, dass weder er noch Mitglieder seiner Organisation etwas mit Milzbranderregern zu tun hätten. In diesem Zusammenhang wurde er auch gefragt, ob er mit Saddam Hussein oder Mummar al Gaddafi Kontakt pflegte. Dazu wollte er allerdings keine Stellung nehmen.

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Fotostrecke: Der Krieg in Afghanistan Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien ist mittlerweile der Meinung, dass bin Laden aller Wahrscheinlichkeit nach auch Kofferbomben besitzt. David Kyd, ein Sprecher der IAEA: "Solche Koffer, gefüllt mit Nuklearabfall, könnten die Terroristen im IRA-Stil einsetzen. Dies würde den Tod der Menschen bedeuten, die sich in unmittelbarer Nähe der Explosion befänden. Langfristig aber würden viel mehr Menschen durch Kontamination sterben." Nach Schätzung Mohsin Babbars würde bin Laden nur als letzte Option zu diesem Mittel greifen. Seine Prognose basiert auf einer anderen Aussage bin Ladens während des Interviews. Dieser meinte: "Wir werden siegen, wir werden einen anderen Kampf führen. Wir werden uns in die Berge zurückziehen, und kämpfen wie damals gegen die Russen."

Viele Experten im Pentagon und Pakistan interpretieren die Ereignisse der letzten Tage ähnlich. Der verhältnismäßig einfache Erfolg der Nordallianz war möglich durch die verstärkten Luftangriffe der Amerikaner, aber auch durch den taktischen Rückzug der Taliban. Mir und Babbar hörten ständig Lastwagen, die hoch in die Berge fuhren. Wahrscheinlich mit Waffen und Verpflegung für den langen Winter-Guerrillakrieg. Seine dramatischste Aussage machte bin Laden zum Schluss des Interviews. Er sagte: "Sie werden mich nicht lebendig kriegen." Babbar deutete diese Aussage auf Anfrage so: Offenbar habe bin Laden gesagt, er werde "Afghanistan nie verlassen und bis zum Schluss mit Mullah Omar kämpfen."

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