Politik : Chile: Allende nahm sich das Leben

Ergebnis einer Obduktion des früheren Präsidenten

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Santiago de Chile - Chiles früherer Präsident Salvador Allende (1970-1973) hat seinem Leben am 11. September 1973 in einer aussichtslosen Lage selbst ein Ende gesetzt. Er erschoss sich mit einem AK-47-Sturmgewehr, als der Präsidentenpalast im Bombenhagel der Putschisten lag. Zu diesem Schluss kommt ein 500 Seiten starker Obduktionsbericht, in dem chilenische und ausländische Experten frühere Erkenntnisse bestätigen.

Der Ballistik-Experte David Pryor diagnostizierte eine erhebliche Schädelverletzung, die von einem Schuss, möglicherweise aber auch von zwei Schüssen herrührt. „Im Vollautomatikbetrieb löst die AK-47 zwei Schüsse in 0,2 Sekunden (200 Millisekunden) aus“, schreibt der Brite in seinem Beitrag zum Bericht. Zwei Schüsse würden damit der Selbstmordthese nicht entgegenstehen. Er hält zudem Schilderungen des Allende-Getreuen Patricio Guijón für übereinstimmend.

Der Arzt war damals, als die Putschisten um General Augusto Pinochet den Präsidentenpalast La Moneda in Santiago de Chile stürmten, an der Seite des Präsidenten und berichtete von dessen Freitod: „Ich ging noch einmal zurück, um meine Gasmaske zu holen. Da sah ich die offene Tür des „Independencia“-Saals (Unabhängigkeit), und als ich eintrat, sah ich am anderen Ende eine Person sitzen, die sich in diesem Augenblick in den Kopf schoss (...). Teile des Schädels flogen bis an die Decke.“ Eine Schilderung, so grauslich und brutal wie der Putsch und die folgende Diktatur Pinochets. Doch hielten sich immer wieder Gerüchte, Allende, der vor allem in linken Kreisen zum Märtyrer verklärt wurde, sei von den Militärs ermordet worden. Pinochet soll später mit einem Plan geprahlt haben, Allende ein Flugzeug ins Exil zur Verfügung zu stellen und dieses dann abstürzen zu lassen.

Allende selbst hatte nie Zweifel daran gelassen, dass er kampfbereit war bis zum Schluss. Schon 1970 bei der ersten Kabinettssitzung warnte er die Rechten: „Von hier zum Friedhof, ich bin kein Mann des Exils.“ Das war unmissverständlich. Allendes Tochter, die Senatorin Isabel Allende, sieht durch den Bericht die „Würde“ ihres Vaters bestätigt: „Angesichts der extremen Umstände, die er erlebte, entschied er sich, aus dem Leben zu scheiden, bevor er gedemütigt wurde.“ Mit dem Putsch gegen Allende begann eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte Südamerikas. dpa

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