Politik : Clark-Sprecher Freytag verteidigt Erfolg der Luftangriffe

Christoph von Marschall

Medienberichte über eine Nato-Studie, der zu Folge die Luftangriffe im Kosovo ein Fehlschlag waren, sind nach Aussage von Oberst Konrad Freytag, Sprecher des Oberbefehlshabers Europa, General Clark, irreführend. "Von einem militärischen Fehlschlag kann keine Rede sein", sagte Freytag vor dem Abflug zum Nato-Gipfel in Toronto dem Tagesspiegel. Allerdings müssten die 19 Verteidigungsminister Schwächen der Kriegsführung besprechen. Weiter stehe zur Diskussion, die Kräfte in Bosnien und im Kosovo zu bündeln, sie unter ein gemeinsames Kommando zu stellen und den Nachschub zusammenzulegen. Bei diesem letzten Treffen mit dem scheidenden Nato-Generalsekretär werde Javier Solana über seine künftige Rolle als erster Verantwortlicher für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU sprechen. "Es geht nicht darum, festzustellen, was können die Amerikaner, die Europäer aber nicht. Sondern: Was brauchen wir für die künftige Balance zwischen gemeinsamer Bündnisverteidigung und Friedenseinsätzen, und was haben wir?"

Eine Schwäche des Luftkriegs sei gewesen, dass nicht alle Piloten der unterschiedlichen Streitkräfte im Einsatz verschlüsselt mit einander sprechen konnten, Freytag. Auf den nicht abhörsicheren Kanälen hätten sie nur begrenzt Informationen über das Gefechtsfeld austauschen können. Hinderlich sei angesichts der schlechten Wetterbedingungen weiter gewesen, dass nicht alle Partner über moderne Waffensysteme verfügten, mit denen die Bomben durch die Wolkendecke ins Ziel geleitet werden können.

Bei der von General Clark angeordneten Kontrolle hätten 35 Luftwaffen-Spezialisten drei Wochen lang im Kosovo die Angaben der Piloten überprüft. Sie hätten deren Berichte über die Zerstörungen, die sie bei den 3000 Einsätzen erzielt haben wollen, mit den Spuren am Boden abgeglichen, erläuterte Freytag. Bei dieser "sehr peniblen" Kontrolle und "konservativen Auswertung" würden die Piloten-Angaben in der Regel nach unten korrigiert. 70 Prozent Treffer wie in diesem Fall seien "eine sehr gute Rate".

Laut der Studie hat die Nato bei ihren Luftangriffen 93 Panzer (nicht 110), 153 Schützenpanzer (statt 210), 389 Artilleriegeschütze und Mörser (statt 449) sowie 339 andere Militärfahrzeuge (zuvor keine Angaben) zerstört. Die Spezialisten hätten nur die Wracks von 26 Panzern gesehen, ging Freytag auf Medienkritik ein. Die Pilotenangaben galten jedoch in weiteren gut 60 Fällen als bestätigt, wenn die Kontrolleure einen Bombenkrater, Panzerteile und deutliche Schleifspuren vom Abtransport der Wracks vorfanden sowie aus früheren Luftaufnahmen wussten, dass die Serben dort "das Gefechtsfeld gesäubert" hatten. In Serbien sei eine Kontrolle am Boden nicht möglich gewesen.

In jedem Fall habe der militärische Druck ausgereicht, um das politische Ziel zu erreichen, betonte Freytag: Ende der Vertreibung, Abzug der serbischen Streitkräfte und Rückkehr der Flüchtlinge. Er räumte ein, dass der öffentliche Streit um den Bodenkrieg den Erfolg erschwert habe. "Die USA waren von Anfang an strikt dagegen, Großbritannien war dafür; da wusste Milosevic, dass es keine gemeinsame Haltung gab, und konnte sich beruhigt zurücklehnen."

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