Politik : Clinton: Der Kampf um die Freiheit endet niemals

Amerikas Präsident und Bundeskanzler Kohl würdigen in Tempelhof die Luftbrücke vor 50 Jahren / Feier mit 10 000 Berlinern / Besuch in Eisenach BERLIN/EISENACH (Tsp).Als Mahnung zum Kampf für die Freiheit hat US-Präsident Bill Clinton die Luftbrücke vor 50 Jahren bezeichnet.Dieser Kampf ende niemals, sagte er am Donnerstag auf dem Flughafen Tempelhof vor rund 10 000 begeisterten Berlinern.Bundeskanzler Helmut Kohl dankte den USA für deren Hilfe bei der Verteidigung der Freiheit.Im Anschluß an die Feier reisten beide Staatsmänner nach Eisenach weiter."Heute muß eine neue Generation die Lehre der Luftbrücke lernen", sagte Clinton unter dem Beifall der Gäste.Zum ersten Mal bestehe die Chance, daß Demokratie und Freiheit in ganz Europa den Sieg errängen.Clinton bezeichnete den damaligen Einsatz der West-Alliierten als "die beste Investition in Deutschlands Zukunft".Auch hundert Jahre nach diesem heutigen Tag würden sich Freunde der Freiheit an die Bürger Berlins erinnern, erklärte Clinton.Diese würden dann sagen: "Berlin bleibt doch Berlin", rief Clinton auf deutsch dem Publikum zu.Den Dank für die Hilfe der USA im Kalten Krieg bei der Verteidigung der Freiheit Berlins und bei der Erlangung der deutschen Einheit sprach Bundeskanzler Kohl aus."Dem unerschütterlichen Engagement unserer amerikanischen Freunde verdanken wir es, daß Mauer und Stacheldraht, die Berlin und Deutschland so lange teilten, schließlich überwunden werden konnten", sagte er.Beide Staatsmänner erinnerten an den Einsatz der Veteranen der Luftbrücke und gedachten der 78 Opfer dieses größten militärischen Transportunternehmens der Geschichte, mit dem die Alliierten die von der Sowjetunion verhängte Blockade zwischen Juni 1948 und Mai 1949 überwanden.Der amerikanische Präsident sagte dazu: "Wenn die Kommunisten mit den Mitteln von Angst und Furcht kämpften, schlugen wir mit den Mitteln der Freundschaft und Überzeugung zurück."In seiner Rede bekannte sich Kohl zu der gewachsenen Verantwortung Deutschlands.Gemeinsam mit den Amerikanern und anderen Freunden würden die Probleme des neuen Jahrhunderts im Geiste der transatlantischen Partnerschaft angegangen.Wie Clinton unterstrich auch Kohl, daß es zu den gemeinsamen Aufgaben gehöre, die Folgen der Teilung Europas dauerhaft zu überwinden.Im Anschluß an die Ansprachen schritten Clinton und Kohl auf das Rollfeld, wo ein historischer Rosinenbomber und eine moderne amerikanische Transportmaschine vom Typ C 17 einander gegenüber standen.Dort sprachen sie mit dem US-Flieger Gail Halvorsen, der bei seinen Einsätzen Süßigkeiten für die Berliner Kinder abgeworfen hatte, und einer Berliner Zeitzeugin.Nach den Nationalhymnen gingen die Staatsmänner auf das Publikum zu und schüttelten viele Hände.Die Feierstunde unter strahlend blauem Himmel hatte den Charakter eines Volksfestes.Am Nachmittag warben Clinton und Kohl im Eisenacher Opel-Werk gemeinsam um ausländische Investitionen für Ostdeutschland.In einem Gespräch mit Mitarbeitern des zum US-Automobilkonzern General Motors gehörenden Werks sagte Clinton, er sei auch nach Eisenach gekommen, um das Interesse von amerikanischen und anderen ausländischen Investoren zu wecken.Kohl sagte, ein Hemmnis für Investitionen in Ostdeutschland sei das hohe Steuerniveau.Deutschland brauche eine Steuerreform, um mehr Investoren anzuziehen.Er würdigte die Arbeit der Opel-Belegschaft, deren Werk als eines der produktivsten in der Welt gilt, als Beweis für die Leistungsfähigkeit der Ostdeutschen.Eine Rede auf dem Eisenacher Marktplatz und ein Essen auf der Wartburg beschlossen den zweitägigen Besuch des US-Präsidenten in Deutschland.Für den späten Abend war der Weiterflug zum G-8-Gipfel in Birmingham geplant.

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