Politik : Clinton überholt ihre Strategie

C. v. Marschall

Washington - Unter dem Eindruck mehrerer Vorwahlniederlagen hat Hillary Clinton ihre Wahlkampfmanagerin Patti Solis Doyle entlassen. Doyle ist eine langjährige Freundin und Vertraute der Clintons. Ihren Posten übernahm eine andere erprobte politische Weggefährtin, Maggie Williams. In einer E-Mail informierte Solis Doyle ihren Mitarbeiterstab von dem Wechsel. Sie sei stolz, diese Kampagne geleitet zu haben. „Noch stolzer bin ich, Hillary nach über 16 Jahren noch meine Freundin nennen zu können.“

Doyle war schon zu Jahresbeginn wegen der Wahlkampfstrategie unter starken Druck geraten, nachdem Hillary die erste Vorwahl in Iowa verloren hatte. Ihr wurde vorgeworfen, es sei ein Fehler gewesen, Clinton als klare Favoritin und fast unvermeidliche Kandidatin zu positionieren. Das erst habe ihrem schärfsten Konkurrenten Barack Obama den psychologischen Vorteil eines Außenseiters und Überraschungssiegers gegeben. Doch dann gewann Clinton die zweite Vorwahl in New Hampshire, und Doyle war vorerst rehabilitiert. Bei allen Vorwahlen am vergangenen Wochenende siegte jedoch Obama: am Sonnabend in Louisiana, Nebraska, Washington State und den Virgin Islands, am Sonntag auch in Maine. Der Neuenglandstaat galt zuvor als Clintons Territorium. Obama gewann zudem nicht knapp, sondern im Verhältnis 60 zu 40 Prozent in Maine und zuvor in Louisiana, in Nebraska und Washington State sogar zwei Drittel zu einem Drittel.

Nach seinen fünf Siegen vom Wochenende liegt Obama jetzt laut der unabhängigen Website RealClearPolitics mit 1137 Delegierten drei Stimmen vor Clinton. Und ihre Aussichten für die heute anstehenden Vorwahlen in Maryland, Virginia und der Hauptstadt Washington DC sind auch nicht gut. Clinton hat für die verbleibenden Vorwahlen zudem weniger Geld als Obama – und das direkte Duell gegen John McCain, der die republikanische Kandidatur so gut wie sicher hat, kann den Umfragen nach nur Obama gewinnen. Auch das lässt Wähler nachdenken, wen sie ins Rennen schicken sollen. C. v. Marschall

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