Comics : Andi unter Autonomen

Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz geht einen ungewöhnlichen Weg – und das schon ziemlich lange. Seit 2005 richtet sich die Behörde mit einer Serie von Comics gezielt an Jugendliche, um vor den Gefahren des Extremismus zu warnen.

Frank Jansen
311358_0_4408c017.jpg Illustration: Peter Schaaf
Gewalt im Spiel. Beim Protest gegen Rechtsextremisten gibt es Krawall.Illustration: Peter Schaaf

Im Manga-Stil erlebt die Comic-Figur „Andi“, was passiert, wenn Freunde und Mitschüler in politischen Fanatismus abdriften. Das erste Heft befasste sich mit Rechtsextremismus, das zweite mit Islamismus, und jetzt gibt es das neue, mit dem Schwerpunkt Linksextremismus. „Damit zeigen wir, wie Linksextremisten demokratische Grundwerte bekämpfen und dafür auch Gewalt einsetzen“, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf (FDP) bei der Vorstellung des Comics „Andi 3“.

Das Heft wird in hoher Auflage und kostenlos Jugendlichen, Lehrern und anderen Interessierten angeboten. 100 000 Exemplare sind gedruckt. „Andi 1“ hat es auf 380 000 Exemplare gebracht, bei „Andi 2“ sind es bislang 200 000. Die Nachfrage an Schulen, nicht nur in Nordrhein-Westfalen, ist groß. Die jugendgerechte Aufklärung kommt an, zumal die bunten Mangabilder des Düsseldorfer Zeichners Peter Schaaff durch nur kurze, erklärende Texte ergänzt werden.

In „Andi 3“ gerät der junge Comic-Held an gleichaltrige Autonome. Sie haben eine leerstehende Fabrik besetzt, schwingen antikapitalistische Parolen, sprühen Graffiti und mobilisieren für eine Demonstration gegen einen Aufmarsch von Neonazis. Beim Protest gegen die Rechtsextremisten kommt es zum Krawall, die Gewalt ufert aus. Ein Auto geht in Flammen auf, ein Getränkekiosk wird zerstört – und damit die Existenz des Betreibers. Es sind Bilder, wie man sie von Ausschreitungen in Berlin und anderswo kennt.

In den erklärenden Texten setzt sich der Verfassungsschutz differenziert mit dem Phänomen Linksextremismus auseinander. Es wird klar unterschieden zwischen der demokratischen Linken und der extremistischen. Der Verfassungsschutz benennt sogar Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität als „sozialistische Grundwerte“. Und grenzt sie dann ab gegen die totalitären Leitbilder von Maoismus, Stalinismus, Trotzkismus und anderen Varianten des Linksextremismus.

Das Heft kann im Internet über die Homepage www.andi.nrw.de bestellt werden. Dort finden sich auch die älteren Comics. 

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