CSU-Streit : Pauli legt nach

Die Fürther Landrätin, Gabriele Pauli, hat CSU-Chef Stoiber ein Defizit im Umgang mit Frauen in der Politik vorgeworfen. Dies werde auch an seinem Verhältnis zu Kanzlerin Merkel deutlich, sagt sie.

Berlin - "Männer, die noch ein klassisches Rollenbild haben, können oft nicht verstehen, dass Frauen auf gleicher Ebene mit gleicher Kompetenz mitreden", sagte die Fürther Landrätin der "Berliner Zeitung".

CSU-Generalsekretär Markus Söder lehnte eine von Pauli geforderte Mitgliederbefragung über eine Spitzenkandidatur von CSU-Chef Edmund Stoiber zur Landtagswahl 2008 erneut strikt ab. Das sei Aufgabe der Landtagsfraktion, sagte Söder im ZDF. Der Vorstoß von Pauli sei kein basisdemokratisches Element, "sondern Teil einer Kampagne".

Trotz der Entscheidung der CSU-Landtagsfraktion, Stoiber rasch zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2008 auszurufen, hält Pauli an ihrem Vorhaben einer Urwahl fest. Sie bekräftigte: "Ich werde auf dem nächsten Kleinen Parteitag einen Antrag auf Mitgliederbefragung einbringen. Auch wenn sich die Fraktion dann schon geäußert hat die Partei hat das letzte Wort." Als beste Ersatzkandidaten für Stoiber nannte Pauli erneut Bayerns Innenminister Günther Beckstein und Bundesagrarminister Horst Seehofer.

Angst vor "Druck von oben"

Im ZDF-"Morgenmagazin" wiederholte Pauli zudem ihre Vorwürfe, sie sei nicht die einzige gewesen, die durch Erkundigungen über ihr Privatleben eingeschüchtert worden sei. "Es sind auf mich Personen zugekommen, die sagen, sie haben es ähnlich erlebt." Diese würden sich jedoch nicht äußern, weil sie Angst hätten, ebenfalls unter Druck gesetzt zu werden. Stoibers Büroleiter Michael Höhenberger hatte vor Weihnachten sein Amt abgegeben, nachdem er sich bei einem Parteifreund eingehend über das Privatleben Paulis erkundigt hatte.

CSU-Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann stellte sich hinter Stoiber. Er erwarte von der Klausurtagung in Wildbad Kreuth (15. bis 18. Januar) ein klares Votum der Fraktion, "dass wir unserem Ministerpräsidenten Rückendeckung geben", sagte er im ZDF. Der bayerische SPD-Fraktionschef Franz Maget bezeichnete die geplante rasche Ernennung Stoibers zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl dagegen als "Notoperation". "Wer souverän und stark wäre, würde sich einem Mitgliedervotum stellen", sagte er im ZDF. Die CSU-Regierung in Bayern sei jedoch schwach geworden und versuche daher ganz schnell, die Dinge aus der Welt zu schaffen. "Das wird nicht gelingen." (tso/dpa)

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