Politik : "Da war Blut, Blut, Blut"

Zwei Angreifer haben am Sonntag ein Blutbad unter den Gottesdienstbesuchern einer Kirche im Diplomatenviertel der pakistanischen Hauptstadt Islamabad angerichtet. Fünf Menschen, darunter nach Angaben der US-Botschaft zwei Amerikaner, kamen bei der Explosion von drei Handgranaten ums Leben. Wie ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin mitteilte, befand sich unter den rund 45 Verletzten eine Deutsche. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich ein Deutscher oder eine Deutsche unter den Todesopfern befinden. US-Präsident George W. Bush hat mit Empörung reagiert. "Ich bin entrüstet über den Terroranschlag auf unschuldige Zivilisten", sagte Bush. Auch der pakistanische Präsident Pervez Musharraf verurteilte den Angriff als "abscheulichen Akt des Terrorismus". Justizminister Khalid Ranjha sprach von einem Versuch, die Beziehungen zum Ausland zu stören.

Nach Angaben der Polizei und Augenzeugenberichten kamen während der Predigt zwei Männer durch den Hintereingang in die freikirchliche Protestant International Church und warfen mehrere Handgranaten in die Versammlung, von denen drei explodierten. Über die Nationalität der drei anderen Todesopfer neben den Amerikanern wurden zunächst keine Angaben gemacht. Wie es hieß, waren drei Frauen unter den Getöteten. Einer vorläufigen Bilanz zufolge waren unter den Verletzten neben einer 54-jährigen Frau aus Hamburg zehn Amerikaner, fünf Iraner, ein Iraker, ein Äthiopier, ein sri-lankischer Diplomat und zwölf Pakistaner. 70 Menschen waren in der Kirche.

Überlebenden zufolge brach nach den Explosionen Chaos aus. Die am Bein von einem Splitter verwundete Deutsche, eine Englischlehrerin, berichtete in einem Krankenhaus: "Da war Blut, Blut, Blut. Es roch schrecklich, und wir konnten kaum atmen." Sie unterrichte an einer Schule afghanische Flüchtlinge, sagte sie.

Die Kirche befindet sich in einem besonders streng bewachten Diplomatenviertel der pakistanischen Hauptstadt, rund einen Kilometer von der US-Botschaft entfernt. Die Angreifer entkamen, obwohl Sicherheitsbeamte in der Kirche waren. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand, der Verdacht der Polizei fiel jedoch auf islamische Extremisten. Nach den Anschlägen vom 11. September hatte Präsident Musharraf dem afghanischen Taliban-Regime die Unterstützung entzogen und fünf islamisch-extremistische Gruppen verboten. Mehr als 2000 Personen wurden verhaftet. Deshalb wird vermutet, dass sich das Attentat vor allem gegen westliche Ausländer richtet.

Eine pakistanische christliche Gemeinde war zuletzt im Oktober vergangenen Jahres Opfer von Terroristen geworden. Mutmaßliche Moslemextremisten erschossen bei einem Überfall auf eine katholische Kirche in Bahawalpur im Zentrum des Landes 16 Menschen. Meist werden Angehörige der sunnitischen und der schiitischen Richtungen des Islam Opfer von Überfällen muslimischer Fanatiker, die in den vergangenen Jahren mehrfach Gotteshäuser attackierten.

Christen bilden im islamischen Pakistan eine Minderheit von weniger als zwei Prozent. Im 19. Jahrhundert waren unter britischer Kolonialherrschaft vor allem Angehörige diskriminierter Kasten zum Christentum übergetreten. Bei der Teilung Indiens durch die Briten 1947 fanden sich mehrere hunderttausend Christen als Minderheit im islamischen Pakistan wieder. Ihnen geht es in Pakistan nach eigener Aussage nicht schlecht. Sie haben in kirchlichen Schulen gute Bildungschancen. Ihre Gemeinden übernahmen beim Abzug der Briten kirchliche Grundstücke. Auch die muslimische pakistanische Elite schickt ihre Kinder häufig in christliche Schulen.

Seit einigen Jahren klagen pakistanische Christen jedoch über wachsende Angst vor muslimischen Extremisten. Christen würden von Fanatikern mit dem Westen gleichgesetzt, hieß es bereits 1998 nach den ersten US-Angriffen auf Stützpunkte Osama bin Ladens in Afghanistan.

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