Politik : Daimler-Chrysler gibt die Welt AG auf

Autokonzern verweigert japanischer Tochter Mitsubishi weitere Milliardenhilfe/Aktie reagiert mit Kurssprung

Alfons Frese,Henrik Mortsiefer

Berlin. Daimler-Chrysler ist auf dem Weg zum globalen Autokonzern zurückgeworfen worden. Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen in Stuttgart, die hoch verschuldete japanische Tochter Mitsubishi nicht weiter finanziell zu unterstützen. Während die Daimler-Chrysler-Aktie am Freitag mit einem Kurssprung von fast zehn Prozent reagierte, wuchsen die Zweifel an der Strategie von Konzernchef Jürgen Schrempp. Mit Mercedes-Benz, Chrysler und Mitsubishi wollte er die Welt AG aufbauen. Nun scheint der komplette Rückzug bei Mitsubishi möglich. Den Kapitalbedarf bei den Japanern bezeichnete Daimler-Chrysler als „sehr, sehr groß“.

Von Alfons Frese

und Henrik Mortsiefer

Schätzungen zufolge braucht Mitsubishi Motors, an der Daimler-Chrysler mit 37 Prozent beteiligt ist, mindestens 5,5 Milliarden Euro zur Sanierung. Wie Daimler-Chrysler mitteilte, konnte man sich mit den übrigen Mitsbushi-Aktionären nicht auf eine „solide Finanzstruktur“ einigen. Deshalb wird nicht ausgeschlossen, dass der deutsche Konzern mit der Einstellung der Hilfe für Mitsubishi die japanischen Partner unter Druck setzen will. „Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen. Wir haben alles versucht“, sagte Finanzvorstand Manfred Gentz. Die AsienStrategie müsse nun überdacht werden. Konzernchef Schrempp äußerte sich nicht. Die übrigen Anteilseigner von Mitsubishi zeigten sich überrascht. Sie stellten einen neuen Sanierungsplan für Mitsubishi in Aussicht. Gentz zufolge sucht Daimler-Chrysler kurzfristig keinen Käufer für seinen Mitsubishi- Anteil. Man müsse aber nicht für immer Aktionär bleiben, fügte er hinzu.

Analysten und Fondsmanager begrüßten die Entscheidung. Sie zeige, dass der Vorstand in der Lage sei, Fehlentscheidungen zu korrigieren, sagte Klaus Kaldemorgen, Chef der größten deutschen Fondsgesellschaft DWS, dem Tagesspiegel. Kaldemorgen hatte den Daimler-Chrysler-Vorstand wegen seines Mitsubishi-Engagements auf der jüngsten Hauptversammlung scharf kritisiert.

Daimler-Chrysler war im Jahr 2000 für 2,1 Milliarden Euro bei den Japanern eingestiegen. Neben Mercedes-Benz und Chrysler ist Mitsubishi die dritte Säule der so genannten Welt AG. 2003 brach jedoch das Geschäft der Japaner in den USA ein, das Unternehmen stürzte in die roten Zahlen. Daimler-Chrysler steht bereits wegen der schleppenden Sanierung von Chrysler unter Druck.

Gentz zufolge soll die Kooperation mit Mitsubishi fortgesetzt werden. Auch die Zusammenarbeit von Mitsubishi und Chrysler bei verschiedenen Pkw-Modellen gehe weiter. Zusammen mit den Japanern baut Daimler unter anderem in Thüringen Motoren für den viertürigen Smart forfour.

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