Politik : Daimler-Chrysler prüft Verkauf des Potsdamer Platzes

Autokonzern plant Trennung von „nicht betriebsnotwendigen“ Immobilien

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Stuttgart - Der Automobilkonzern Daimler-Chrysler prüft den Verkauf eines Teils seiner Immobilien, ausdrücklich auch denen am Potsdamer Platz in Berlin. „Alles, was nicht betriebsnotwendig ist, kommt auf den Prüfstand“, sagte Finanzchef Bodo Uebber am Montagabend in Stuttgart. Er bezifferte den Buchwert der Konzernimmobilien auf zwischen elf und zwölf Milliarden Euro. Davon seien drei bis vier Milliarden Euro nicht betriebsnotwendig. „Dazu gehört die Konzernzentrale in Möhringen und der Potsdamer Platz“, sagte Uebber.

In Berlin ist die Zentrale der Daimler- Finanzierungstochter Debis und die Daimler-Chrysler-Vertriebsorganisation für Deutschland angesiedelt. Unter dem damaligen Daimler-Benz-Chef Edzard Reuter hatte der Konzern sich Anfang der 90er Jahre in Berlin stark engagiert. Reuter sah die Bebauung des Platzes nach der Wiedervereinigung als historische Aufgabe an und investierte rund zwei Milliarden Euro. Er ist der Sohn des ehemaligen Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter. Eine Trennung von der Immobilie wäre ein weiterer Einschnitt für die Hauptstadt, die gerade gegen eine Übernahme des Pharmakonzerns Schering durch Merck kämpft.

Die Bindung an Berlin scheint unter der neuen Generation an der Daimler- Spitze lockerer zu werden. Konzernchef Dieter Zetsche und sein Finanzchef setzen wegen der Probleme bei Smart und bei Mercedes auf Rendite. Der Immobilienverkauf könnte sich positiv auf das so genannte Rating auswirken, das für die Finanzierungskosten entscheidend ist und damit die Ertragskraft mitbestimmt. Bei der Agentur Standard & Poor’s sank die Bewertung seit der Fusion mit Chrysler 1998 von A+ auf BBB. „Der Immobilienverkauf allein wird das Rating zwar nicht unmittelbar verbessern. Mittelfristig wirkt es sich aber positiv aus, wenn die erlösten Mittel in renditestarkes operatives Geschäft investiert würden“, betonte Falk Frey, Autoexperte der Ratingagentur Moody’s.

Die Bonität der Konkurrenten General Motors und Ford ist tief im Keller. Die hohen Refinanzierungskosten sind ein Grund, weshalb GM versucht, sein durch hohe Fremdfinanzierung belastetes Leasing-Geschäft abzustoßen. In der Bilanz von Daimler-Chrysler stehen Verbindlichkeiten von mehr als 100 Milliarden Euro, vier Fünftel davon sind Finanzverbindlichkeiten. Allerdings ist die Bonität von Daimler-Chrysler noch deutlich besser als bei der US-Konkurrenz.

Beim Rating schauen die Agenturen vor allem darauf, ob Daimler-Chrysler die Probleme bei Smart in den Griff bekommt und die Marke Mercedes das Renditeziel von sieben Prozent in 2007 erreicht. Die Konzernkasse wird derzeit stark vom Stellenabbau belastet. Mercedes streicht 8500 Stellen. Darüber hinaus sollen 6000 von insgesamt 30 000 Stellen in der Verwaltung und im Management gestrichen werden.

Die Mercedes-Gruppe war 2005 erstmals seit Bestehen von Daimler-Chrysler mit einem operativen Minus von 505 Millionen Euro in die Verlustzone gerutscht. Grund dafür waren vor allem die Sanierungskosten beim Smart. mwb/HB

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