Politik : Daimler – sichere Jobs für weniger Geld

Einigung sichert auch das Berliner Werk / Kanzler zuversichtlich: VW wird es genauso schaffen

Dieter Fockenbrock,Rainer W. During

Berlin/Stuttgart - Die Einigung beim Autokonzern Daimler-Chrysler über Kosteneinsparungen in der Produktion ist von Politik und Tarifparteien als zukunftsweisend für den gesamten Standort Deutschland bewertet worden. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach von einem „Sieg der Vernunft“. Auch IG-Metall-Chef Jürgen Peters bewertete das Ergebnis als „gute Lösung für den Standort Deutschland“. „Die Arbeitsplätze bleiben langfristig abgesichert. Das ist ein Erfolg, den man nicht hoch genug bewerten kann“, sagte er.

In der Nacht zu Freitag hatten sich Vorstand und Arbeitnehmer von Daimler- Chrysler darauf geeinigt, jährlich eine halbe Milliarde Euro Kosten einzusparen. Dazu zählen Mehrarbeit in der Entwicklungsabteilung und der Verzicht auf bereits vereinbarte Lohnanhebungen. Im Gegenzug garantiert das Unternehmen allen 162 000 Konzernbeschäftigten in Deutschland ihren Arbeitsplatz bis 2012. Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen über einen so langen Zeitraum gilt als einmalig. Zum Kompromiss gehört auch der Verzicht des Vorstands und der leitenden Angestellten auf zehn Prozent ihrer Vergütung. Jetzt ist sichergestellt, dass die neue C-Klasse von 2007 an im Stammwerk Sindelfingen gebaut wird. Die 3000 Beschäftigten im Berliner Mercedes-Werk erhoffen sich deshalb mittelfristig die Sicherung des Standorts, weil Berlin Motoren zuliefert.

Kanzler Schröder ist zuversichtlich, „dass nach Daimler-Chrysler auch die Verhandlungen bei Volkswagen über Kosteneinsparungen und Beschäftigungssicherung in Deutschland zu einem erfolgreichen Abschluss führen werden“. Die Wolfsburger wollen im Herbst über Einsparungen bei den Personalkosten verhandeln. Die Kosten sollen bis 2011 um 30 Prozent gesenkt werden. VW beschäftigt 110 000 Mitarbeiter im Inland.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel bezeichnete die Einigung als „gut und zukunftsweisend“. Arbeitnehmer und Vorstand hätten damit „die klare Priorität für Arbeitsplätze in Deutschland gesetzt“. Von einem „Vorbildcharakter“ für die ganze Branche sprach der Präsident des Automobilindustrieverbands VDA, Bernd Gottschalk. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sagte: „Damit sind all diejenigen widerlegt, die noch vor wenigen Monaten gesetzliche Eingriffe ins Tarifsystem gefordert haben.“

Nach Angaben des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall gibt es etwa 50 vergleichbare Vereinbarungen in anderen Unternehmen, in 50 weiteren werde verhandelt. Die anhaltende Debatte um Mehrarbeit zeigt unterdessen Wirkung. Laut ZDF-Politbarometer befürworten inzwischen 45 Prozent der Befragten eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit. Im April waren es noch 38 Prozent. Allerdings sind weiter 52 Prozent dagegen.

Seiten 2, 4, 7, 15 und 17

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