Politik : Dalai Lama daheim in Wiesbaden

Christoph Schmidt Lunau

Wiesbaden - Das Bild des Dalai Lama lächelt von allen Litfaßsäulen und Plakatwänden der Landeshauptstadt, die tibetische Fahne weht über der Staatskanzlei, mit Präsidentenkonvoi fährt der bescheidene Mönch vor, wenn er bei Roland Koch zu Gast ist. Der hessische Ministerpräsident, seit zwei Jahrzehnten Bewunderer und Freund des Dalai Lama, nimmt Partei für das kulturelle und religiöse Selbstbestimmungsrecht der Tibeter. Da bleibt er sich treu. Die diplomatische Rücksichtnahme auf die Interessen der Volksrepublik China ist nicht seine Sache. Das war schon so, als noch Helmut Kohl Kanzler war. 1995 organisierte der „junge wilde“ Oppositionsführer Koch einen Auftritt des Dalai Lama vor dem Hessischen Landtag. „It’s like coming home“, sagte denn auch der Dalai Lama, als er jetzt zur Verleihung des Hessischen Friedenspreises in Wiesbaden eintraf.

Und wieder fand sein Freund deutliche, undiplomatische Worte der Kritik an den chinesischen Machthabern, die Tibet besetzt halten. Das „wahre Leben“ bedeute für die Landsleute des Dalai-Lama in der Heimat auch „Gefängnis, Vergewaltigung, Verschleppung und Tod“, sagte Koch und fragte nach dem Schicksal des vom Dalai Lama autorisierten Panchen Lama. Er erinnerte an verschwundene Äbte und tibetische Repräsentanten, Tibeter dürften in China weder ihre Religion ausüben noch ihre Sprache sprechen, so Koch. Der Dalai Lama habe mit dem Verzicht auf die staatliche Unabhängigkeit Tibets den Weg für Gespräche frei gemacht. Die Verantwortlichen in Peking müssten jetzt erkennen, dass die Volksrepublik mit diesem mittlerweile 70-jährigen Mann des Friedens eine Lösung finden müsse. Sein Freund habe mehr gesagt, als er sagen könne, dankte der Friedenspreisträger.

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