Darfur-Konflikt : Kritik an "Megafon-Diplomatie"

Der stellvertretende UN-Generalsekretär Mark Malloch Brown hat die USA und Großbritannien für ihre von Drohungen geprägte Diplomatie gegenüber dem Sudan kritisiert.

London - Die "Megafon-Diplomatie" im Darfur-Konflikt sei "geradezu kontraproduktiv" und führe lediglich dazu, dass der Sudan sich nach dem US-Einmarsch im Irak und in Afghanistan als weiteres Opfer des "Kreuzzuges" darstelle, sagte Malloch Brown in einem Interview mit der britischen Zeitung "The Independent". Die Aufforderung an Khartum, die Stationierung von UN-Friedenstruppen zu akzeptieren, sei "nicht plausibel". Drohungen seien "nicht glaubwürdig". Der Sudan wisse, dass der Westen keine Truppen habe, um dort einzumarschieren, sagte der UN-Diplomat.

Malloch Brown forderte die internationale Gemeinschaft auf, im Darfur-Konflikt zu einer einheitlichen Position zu finden. So müsse etwa China mit ins Boot geholt werden. Der Druck auf das afrikanische Land müsse aus Anreizen und Sanktionen bestehen und von einer "diplomatischen Koalition" gestützt werden.

Im August hatte der UN-Sicherheitsrat beschlossen, 17.000 Soldaten und 3000 Polizisten nach Darfur zu schicken, um die Friedensmission der Afrikanischen Union (AU) abzulösen. Die Regierung in Khartum lehnt jedoch bislang die Stationierung von UN-Soldaten ab. Daher verlängerte die AU ihre Mission bis Ende des Jahres. In der westsudanesischen Region Darfur kamen seit dem Beginn eines Aufstandes Anfang 2003 mindestens 200.000 Menschen ums Leben. (tso/AFP)

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