Politik : Das Duell – doch nicht so wichtig?

Kanzler dämpft Erwartungen: Keine Bedeutung wie in Amerika / CDU-Vize Wulff: Das entscheidet die Wahl nicht

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Berlin (ade/bib). Der niedersächsische CDU-Chef Christian Wulff rät Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) im Fernsehduell mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zu sachbetonter Auseinandersetzung. Unions-Vize Wulff, der sich im Landtagswahlkampf 1998 ein TV-Streitgespräch mit dem damaligen Ministerpräsidenten Schröder geliefert hatte, warnte davor, das Duell überzubewerten. Dem Tagesspiegel sagte er: „Das entscheidet die Wahl nicht.“ Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) dämpfte die Erwartungen. „Es wird nicht die Bedeutung wie in Amerika erhalten“, sagte er dem „Kölner Stadtanzeiger“.

Wulff sagte dem Tagesspiegel, es sei gar nicht so schwierig gewesen, gegen Schröder im TV-Duell zu bestehen. „Man konfrontiert Gerhard Schröder mit ein paar Fakten.“ Dann werde schnell deutlich, dass der sich nicht für Inhalte interessiere, sondern nur für Wirkung. Schröder sei „der Mantafahrer der deutschen Politik, der vor der Diskothek die Reifen durchdrehen lässt. Bis dann einer kommt, ihm auf die Schulter tippt und sagt: Du bewegst Dich ja gar nicht vorwärts“.

Wulff sieht die Wirkung der Fernseh-Streitgespräche vor allem bei den Anhängern der eigenen Partei. Das könne sie motivieren, sagte er. Überdies werde der erste Eindruck der Zuschauer ohnehin von den Kommentaren in den Medien überlagert. Die Erfahrung in den USA zeige, dass das Medien-Echo viel wichtiger als das Duell selbst sei. Der CDU-Politiker rechnet auch aufgrund seiner eigenen Erfahrungen von 1998 damit, dass die SPD-„Kampa“ versuchen wird, die Berichterstattung gezielt zu beeinflussen.

Schröder sagte, niemand könne „ernsthaft von der Schlagfertigkeit im 90-Sekunden- Takt auf die Regierungsfähigkeit der Beteiligten schließen“. Darum sei es gut, dass sich die „für uns erfreuliche Bewegung in den Meinungsumfragen schon vor dem Duell“ zeige, fügte er hinzu. Schröder ist davon überzeugt, dass das Hochwasser den Wahlkampf beeinflussen werde. Die Menschen beobachteten ganz genau, ob sie „in der Krise auf den Kanzler zählen“ könnten.

Dagegen sieht Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber keinen Meinungsumschwung zugunsten der Regierung. Das Hochwasser sei kein Wahlkampfthema, sagte er der „Welt am Sonntag“. Die Wähler würden sich daher bei ihrer Stimmabgabe auch nicht „von den Ereignissen der vergangenen Wochen leiten lassen“.

Das erste TV-Duell findet an diesem Sonntag um 20.30 Uhr statt. Es wird von den beiden Sendern RTL und Sat1 übertragen. Den ganzen Abend folgen dann Auswertungssendungen über das Ereignis. Im Vorfeld des Streitgesprächs hatte es Konflikte um den Ablauf gegeben. Regierungssprecher Uwe- Karsten Heye wehrte sich in einem Brief gegen das zunächst vereinbarte Losverfahren für die erste Frage. Politik sei schließlich kein Glücksspiel, argumentierte Heye gegen einen Münzwurf. Nach stundenlangen Beratungen einigten sich beide Seiten schließlich darauf, dass Schröder die erste Frage gestellt werden soll. Dafür soll Stoiber das Schlusswort haben. Beim folgenden, von den öffentlich-rechtlichen Sendern übertragenen TV-Duell soll die Reihenfolge dann umgekehrt sein.

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