Politik : Das Netz der Islamisten

Die Gruppe Ansar al Islam agiert weltweit – ihre Struktur in Deutschland kennen Ermittler nur zum Teil

Frank Jansen

Berlin - Die Terrorgruppe Ansar al Islam gilt als eine der gefährlichsten weltweit. Das bekommt auch Deutschland zu spüren. Die am Freitag in Berlin, Stuttgart und Augsburg von Spezialeinheiten der Polizei festgenommenen Iraker gehören offenbar zu einem Netz, das Ansar al Islam in der Bundesrepublik aufgebaut hat – und das den Sicherheitsbehörden nur in Teilen bekannt ist. Ansar al Islam fällt hier allerdings nicht zum ersten Mal auf. Generalbundesanwalt Kay Nehm wird demnächst Anklage gegen den Iraker Lokman M. erheben, der Islamisten von Deutschland über Italien und arabische Länder in den Irak geschleust haben soll – damit sie dort am heiligen Krieg gegen die USA und ihre Alliierten teilnehmen.

Die kurdisch-irakische Terrororganisation ist aber auch in anderen Ländern Europas und in den USA aktiv. Im August nahm die Polizei im US-Bundesstaat New York, den Gründer und den Imam einer Moschee fest. Beide sollen in Kontakt zu Ansar al Islam gestanden haben. Das FBI hatte ihnen eine Falle gestellt: Sie erklärten sich gegenüber einem Agenten bereit, beim Verkauf einer Luftabwehrrakete an pakistanische Terroristen zu helfen.

Kurdische Islamisten gründeten Ansar al Islam im September 2001 im Nordirak. In den autonomen, von Saddam Hussein nicht kontrollierten Kurdengebieten erkämpfte sich die äußerst brutal agierende Organisation an der Grenze zu Iran einen eigenen Mini-Gottesstaat. Dort soll nach Erkenntnissen westlicher Geheimdienste mit Giftstoffen wie Zyankali experimentiert worden sein. Die Zone war auch Refugium für Kämpfer Al Qaidas und der Taliban nach dem Einmarsch der US-Armee in Afghanistan.

Zu Beginn der US-Invasion zerschlugen US-Spezialeinheiten und kurdische Milizen das kleine Gottesreich. Die etwa 700 Kämpfer sammelten sich in Iran und drangen dann wieder in den Irak ein, ins sunnitische Dreieck um die Hauptstadt Bagdad – und verbündeten sich mit dem jordanischen Terroristenführer Abu Mussab al Sarkawi, dem Statthalter Al Qaidas im Irak. Diese Allianz machen die USA für die meisten Anschläge und Entführungen verantwortlich. Dutzende Geiseln wurden ermordet, vielen wurde der Kopf abgeschnitten. Inzwischen tritt Ansar al Islam auch als Ansar al Sunna auf. Unter diesem Namen bekannte sich die Gruppe im Oktober dazu, zwölf im Irak gekidnappte nepalesische Bauarbeiter umgebracht zu haben. Auch die jüngsten Attentate am Freitag im Irak gehen offenbar auf das Konto des Terrorsyndikats: Bei Anschlägen auf eine schiitische Moschee und einen Polizeiposten in Bagdad starben 26 Menschen.

Iraks Premierminister, gegen den die Zelle der Ansar al Islam offenbar einen Anschlag geplant hatte, verbreitete am Abend in Berlin jedoch Optimismus: „Wir haben den Terroristen in Falludscha das Rückgrat gebrochen“, sagte er. Dort habe man auch eine Menge aufschlussreiches Material über die Terroristen gefunden. Für Allawi zeigt die Tatsache, dass sich mehrere Terrorgruppen offenbar gerade zusammenschließen vor allem eins: „Die verlieren an Boden.“

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