Politik : Das schönste Amt (Glosse)

Gerd Appenzeller

Der schönste Posten, den unsere Republik zu vergeben hat, ist - ja, welcher? Der des Kanzlers? Der mächtigste Mann im Staat ist er schon, aber das Gehalt ist nicht so toll, dafür jede Menge Stress - und, mal ehrlich: Wenn Sie sich in diesen Tagen das Gesicht von Gerhard Schröder anschauen, glauben Sie doch auch nicht mehr so recht, dass er noch Spaß an der Sache hat. Kommt ja vielleicht wieder. Kultur-Staatsminister Michael Naumanns Job? Nun ja, sicher etwas für kluge Leute, jeden Abend Theater oder Konzert - doch von eher begrenztem Einfluss. Aber der Bundespräsident! Wohnt nur ein paar Schritte von den Linden entfernt, als einziger in einem echten Schloss. Alle sagen respektvoll "Herr Bundespräsident" zu ihm, niemand sagt einfach so "Herr Rau". Und die Reisen! Wenn er das alles über die TUI oder Neckermann buchen müsste - käme ganz schön teuer . . . Und alle freuen sich, wenn er zu einem Fest kommt und eine Rede hält.

Die Rede des Staatsoberhauptes adelt sozusagen den republikanischen Anlass. Aber im nächsten Jahr, im April, da kann einem der Herr Bundespräsident ein bisschen leid tun. Da gibt es zwei Geburtstage, bei denen er eigentlich reden muss, oder darf. Und jeder der beiden Geburtstage ist der des bedeutenderen Mannes, wenn man so sagen darf. Am 3. April 2000 wird Helmut Kohl 70 Jahre alt, am 15. April begeht Richard von Weizsäcker seinen 80. Geburtstag. Und man kann ziemlich sicher sein, dass jeder der beiden ganz genau nachlesen wird, was der Bundespräsident über den anderen gesagt hat. Keine leichte Aufgabe also. Aber da die beiden sich mögen, wird am Ende vielleicht doch kein Problem daraus erwachsen.

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