Politik : "Das Treffen mit bin Laden war reiner Zufall"

Jürgen Zurheide

Die Augen des Vorbeters spiegeln völliges Unverständnis wider. Obwohl gleich mehrere Schilder an den Eingängen zum Betsaal vom totalen Handy-Verbot künden, klingelt es plötzlich aus irgendeiner Hosentasche der vielen Gäste, die an diesem Morgen in den Niehler Kirchweg nach Köln gekommen sind. Das Geräusch irritiert für einen Moment auch den Sprecher des Kaplan-Verbandes, aber er redet ruhig weiter. Er versucht die Versammelten gerade davon zu überzeugen, dass die Anhänger des Kalifen von Köln überaus friedfertige Zeitgenossen seien, jedem Terrorismus abschwören und auf gute nachbarschaftliche Beziehungen zu den Deutschen allergrößten Wert legten. "Es ist nicht erlaubt, dem Land Schaden zuzufügen, in das man eingereist ist", sagt Ismael Bin Yasar und lächelt entwaffnend. Dass die Szene alles andere als entspannt ist, zeigt Bruder Mohammed, der Vorbeter, dessen Blick zwischen Empörung und Verachtung über die taktlosen Gäste schwankt.

Die Jünger des Kalifen wissen, dass die Innenminister ihre Organisation verbieten und ihren Anführer Metin Kaplan ausweisen wollen. Mit ihrer jüngsten Charme-Offensive hoffen sie das Blatt noch einmal zu wenden. Ob sie mit einem Verbot rechnen? "Das weiß nur Allah", sagen sie zurück, und der werde es schon richten. "Wir werden zu Unrecht als Staatsfeinde und Terroristen diffamiert", sagt Ismael Bin Yasar und an dieser Stelle nickt auch Vorbeter Mohammed. Sie geben zwar zu, dass man sich 1997 in der Nähe von Kabul mit Osama bin Laden persönlich getroffen habe, aber das habe nur dem Frieden gedient. "Außerdem wusste unser Kalif nichts von dem Treffen, das war eher zufällig", fügt Bin Yasar noch schnell an.

Ein wenig internen Beratungsbedarf löst allerdings die Frage aus, wie der Kaplan-Verband die Anschläge vom 11. September bewertet. "Wir glauben nicht daran, dass bin Laden dafür verantwortlich ist, eher schon Geheimdienste, vielleicht auch der amerikanische", sagen sie und weisen noch darauf hin, dass nicht nur Muslime dies so sähen. Nicht zuletzt solche Antworten sähen Zweifel an der Friedfertigkeit.

Wegen solcher Töne will der Düsseldorfer Innenminister Fritz Behrens den Kaplan-Verband verbieten lassen. Wenn das Religionsprivileg fällt, will er das Verbot sofort exekutieren. Der Anführer, Metin Kaplan, sitzt eine vierjährige Haftstrafe wegen eines Mordaufrufes an einem religiösen Widersacher ab. Das Auswärtige Amt bemüht sich darum, von der Türkei eine Zusicherung zu erhalten, dass Kaplan nicht mit der Todesstrafe bedroht ist. Sobald die vorliegt, dürften seine Tage in Deutschland gezählt sein - die Charme Offensive verfängt nicht.

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