Debatte um Bundespräsidenten : Bettina Wulff zu Gast bei Springer

Überraschend ist Bettina Wulff beim Neujahrsempfang des "Hamburger Abendblattes" erschienen - das Blatt gehört zum Springer-Konzern. Der Mailbox-Streit zwischen Wulff und der "Bild-"Zeitung aber geht weiter.

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09.01.2012 21:26Bettina Wulff zu Gast bei Springer.

Trotz des Konflikts ihres Mannes mit der „Bild“-Zeitung scheint Bettina Wulff keine Berührungsängste mit dem Springer-Konzern zu haben - oder diese bewusst zu überwinden. Am Montag war sie Gast beim Neujahrsempfang des zu Springer gehörenden „Hamburger Abendblatts“. Sie mischte sich unter die rund 1000 Gäste in Hamburg und war gefragtes Motiv für die Fotografen. Bilder vom Auftritt der Präsidentengattin können Sie hier anschauen.

Am Dienstag wird voraussichtlich auch ihr Ehemann, Bundespräsident Christian Wulff, wieder öffentlich auftreten: Er begrüßt um 11 Uhr das Diplomatische Korps zum Neujahrsempfang im Schloss Bellevue. Beim Defilee im Langhanssaal begrüßt der Bundespräsident zunächst einzeln die Botschafter und Vertreter der internationalen Organisationen in Deutschland. Danach ist ein Empfang für die rund 200 Gäste im Großen Saal geplant, wo Wulff eine Ansprache halten will.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rechnet unterdessen nach den Worten ihres Sprechers Steffen Seibert nicht mit einem Rücktritt des wegen der Kredit- und Medienaffäre unter Druck stehenden Bundespräsidenten Christian Wulff. "Die Bundeskanzlerin sieht keine Veranlassung, über eine Nachfolge für das Amt des Bundespräsidenten nachzudenken", sagte Seibert am Montag in Berlin. Die Kanzlerin tue dies auch nicht, fügte er hinzu. Merkel werde am Donnerstag an der Spitze des Kabinetts am Neujahrsempfang Wulffs teilnehmen und freue sich auf das Wiedersehen mit dem Bundespräsidenten bei dieser Gelegenheit. Seibert betonte erneut, es gebe keine Absprache der Koalitionspartner für den Fall eines Rücktritts Wulffs.

Seibert bestätigte, dass Kanzleramtsminister Ronald Pofalla in dieser Woche Wulff treffen wird. Es handele sich dabei um ein seit langem geplantes Treffen zweier Politiker, die sich schon sehr lange kennen. Ob sich die beiden allerdings eher selten trafen, ließ Seibert offen. Über bisherige Treffen des Kanzleramtsministers mit dem Bundespräsidenten und deren Frequenz könne er keine Auskunft geben. Auch bei den regelmäßigen Treffen zwischen Merkel und Wulff werde es bleiben. Die Kanzlerin sehe keine Veranlassung, diesen Rhythmus zu verändern.

Die SPD würde nach Angaben ihres Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels im Falle eines möglichen Rücktritts von Bundespräsident Christian Wulff erneut den ostdeutschen Bürgerrechtler Joachim Gauck als Kandidaten aufstellen wollen. "Für die SPD gibt es keinen Grund, mit einem anderen Kandidaten als Joachim Gauck in die Gespräche zu gehen", sagte Bartels der Tageszeitung "Die Welt". Gauck sei schon bei der Bundestagswahl 2010 ein geeigneter überparteilicher Kandidat und keine rein sozialdemokratische Lösung gewesen, fügte Bartels hinzu.

Wer könnte Christian Wulff im Amt des Bundespräsidenten folgen? Eine Auswahl in Bildern:

Wer kann Wulffs Nachfolger werden?
Joachim Gauck: Die SPD spricht sich für ihn aus, ebenso wie die FDP. Die Union will diesen Vorschlag aber nicht akzeptieren.Was für ihn spricht: Der Gegenkandidat Wulffs 2010 war von Rot-Grün vorgeschlagen worden, beeindruckte mit seinem unabhängigen Lebensweg und seiner rhetorischen Kraft aber auch Union und FDP. Der bald 72-jährige Theologe hat bewiesen, dass demokratische Leidenschaft auch ohne Parteizugehörigkeit wirken kann. Was gegen ihn spricht: Wenig. SPD und Grüne würden Gauck trotz seiner kritischen Äußerungen zur bankenkritischen "Occupy"-Bewegung wieder wählen. Union und FDP könnten versucht sein, mit einem eigenen Kandidaten Handlungsfähigkeit zu beweisen.Weitere Bilder anzeigen
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19.02.2012 09:12Joachim Gauck: Die SPD spricht sich für ihn aus, ebenso wie die FDP. Die Union will diesen Vorschlag aber nicht akzeptieren.Was...

SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Wochenende eine gemeinsame Suche nach einem Nachfolger für Wulff angeboten, sollte dieser zurücktreten. In dem Fall bräuchten „CDU/CSU und FDP keine Sorge zu haben, dass die SPD diese Situation zu nutzen versucht, um einen eigenen Kandidaten durchzusetzen“, sagte Gabriel der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Koalitionspolitiker lehnten umgehend ab und betonten, es gebe keinen Anlass für eine Kandidatensuche. Wulff selbst bekräftigte Ende vergangener Woche vor Mitarbeitern, im Amt bleiben zu wollen.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Generalsekretär der hessischen SPD, Michael Roth, sprach sich ebenfalls für Gauck aus. „Joachim Gauck passt in diese Zeit. Er wäre ein Bundespräsident, der weder sich noch das Land blamiert“, sagte Roth der „Welt“.

SPD und Grüne hatten den früheren Stasi-Beauftragten Gauck im Sommer 2010 als ihren Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten aufgestellt. In der Bundesversammlung, die das Staatsoberhaupt wählt, hätte Rot-Grün nach jetzigem Stand keine eigene Mehrheit. Aber auch die Mehrheit von Union und FDP ist sehr knapp.

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