Demokratie : Awami-Liga führt bei Wahlen in Bangladesch

Unter seinen früheren Führern galt Bangladesch jahrelang als korruptestes Land der Erde. Nun wurde mit den Parlamentswahlen die Rückkehr zur Demokratie eingeleitet. Schon jetzt zeichnet sich ein eindeutiger Sieg ab.

Bangladesch
Zu Wählen ist für viele Bangladescher eine Herzensangelegenheit. -Foto: dpa

Dhaka Bei den Parlamentswahlen in Bangladesch zeichnete sich in der Nacht zum Dienstag (Ortszeit) ein deutlicher Sieg der linksgerichteten Awami-Liga der früheren Regierungschefin Sheikh Hasina Wajed ab. Nach Medienberichten hatte Awami zu diesem Zeitpunkt bereits 151 der 299 Sitze im Parlament sicher und führte in vielen anderen Wahlbezirken. Die staatliche Wahlkommission meldete, die rivalisierende Nationalpartei BNP und deren Spitzenkandidatin Khaleda Zia könnten zum gleichen Zeitpunkt erst fest auf 16 Sitze zählen. Mit einem vorläufigen Endergebnis wird an diesem Dienstag gerechnet.

Mit der Wahl, die unter strengen Sicherheitsvorkehrungen stattfand, wurde in Bangladesch die Rückkehr zur Demokratie eingeleitet. Es wurde eine hohe Wahlbeteiligung verzeichnet: Landesweit hätten sich etwa 70 Prozent der mehr als 80 Millionen Wahlberechtigten an der Abstimmung beteiligt, erklärte der Chef des nationalen Wahlbeobachterrates, Nazmul Ahsan Kalimullah, nach Schließung der Wahllokale.

Wählen wird zur Herzensangelegenheit

Der Leiter der 150 Mitglieder starken EU-Wahlbeobachtermission, der FDP-Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff, sagte, die Menschen hätten mit "großem Enthusiasmus" an dem Urnengang teilgenommen. Vielen sei es eine "Herzensangelegenheit" gewesen, nach fast zweijährigem Ausnahmezustand wieder ein Parlament und eine demokratisch legitimierte Regierung wählen zu können. Bereits zu Beginn der Abstimmung am Morgen hätten sich lange Schlangen vor den Wahllokalen gebildet, berichtete Lambsdorff.

Ursprünglich sollten die Wahlen am 22. Januar 2007 stattfinden. Nach schweren Unruhen zwischen Anhängern von BNP und Awami-Liga Anfang 2007 war jedoch der Ausnahmezustand über das mit 160 Millionen Einwohnern siebtgrößte Land der Erde verhängt und die Abstimmung verschoben worden. Ein vom Militär gestütztes Übergangskabinett hatte die Regierung übernommen und unter anderem der Korruption den Kampf ansagt.

Politiker, Beamte und Geschäftsleute in Haft

Unter der Führung der beiden erbittert verfeindeten Politikerinnen Sheikh Hasina und Khaleda Zia, die sich zwischen 1991 und 2006 mehrfach an der Regierungsspitze abwechselten, galt Bangladesch als eines der korruptesten Länder weltweit. Die Übergangsregierung ließ nach ihrer Machtübernahme nicht nur Sheikh Hasina und Khaleda Zia vorübergehend festnehmen - auch zehntausende Politiker, Beamte und Geschäftsleute mussten ins Gefängnis. Zahlreichen Funktionären wurde eine Kandidatur bei Wahlen untersagt.

Insgesamt waren am Wahltag mehr als 650.000 Sicherheitskräfte im Einsatz, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Größere Zwischenfälle und Unregelmäßigkeiten wurden nicht gemeldet. "Es gab lediglich vereinzelte Berichte über Gewalt", sagte der Vorsitzende der Wahlkommission, Shamsul Huda. Nach Medienberichten wurden bei Zusammenstößen in verschiedenen Landesteilen mindestens 20 Menschen verletzt. (mpr/dpa)

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