Politik : Demokratisierung: Marshall-Fund will Balkan unterstützen

Der "German Marshall Fund of the United States" will gezielt die Demokratisierungsbemühungen im früheren Jugoslawien seit dem Sturz von Milosevic unterstützen. Dies erklärte der Präsident der Organisation, Craig Kennedy, in Berlin gegenüber dem Tagesspiegel. Die Hilfe für die jungen Demokratien Mittel- und Osteuropas ist in den vergangenen Jahren in den Mittelpunkt der Arbeit des Funds gerückt. Besondere Bedeutung hat dabei die Schulung von Verwaltungsfachleuten für die Kommunen. Ein verstärktes Augenmerk richtet der Fund jetzt auf den Balkan. Der German Marshall Fund war 1972, anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des ursprünglichen, amerikanischen Marshall-Hilfsprogramms für Europa als Zeichen des Dankes an die USA von der Bundesregierung begründet worden. Deutschland hatte den Fonds bis 1997 mit jährlich 10 Millionen DM unterstützt. Kennedy zeigte sich dankbar dafür, dass der Bundestag für die nächsten zehn Jahre Zuwendungen von jeweils 1,5 Millionen DM bewilligt habe. Aus dem 1947 begründeten Marshallplan, benannt nach dem damaligen amerikanischen Außenminister, hatte Deutschland für den Wiederaufbau 1,4 Milliarden Dollar erhalten.

Seit der Einrichtung des German Marshall Fund vor nunmehr fast 30 Jahren nahmen 800 junge Frauen und Männer aus den USA und Europa im Rahmen des Marshall Memorial Fellowship-Programms an dem Austausch teil. Zusätzlich wurden mehrere tausend Menschen bei Studienreisen unterstützt. Die Amerikaner haben sich vor allem für das deutsche System der Berufsausbildung interessiert und Anregungen für die Reform ihres eigenen Sozial- und Erziehungswesens mitgenommen. Auch das bundesdeutsche Quartiermanagement für die Stabilisierung von Problemwohngebieten stieß auf das Interesse des US-Nachwuchses aus der Verwaltung. Junge deutsche Industrielle machten sich vor allem mit neuen Finanzierungsmethoden vertraut.

Zunehmende Bedeutung für die US-Fellows in Europa gewinnt nach Craig Kennedys Beobachtungen Brüssel. Die EU als Institution sei den Amerikanern eher fremd, ihre Beziehungen zur alten Welt gründeten auf Kontakten zu den gewachsenen Nationen. Man habe aber spätestens mit der Entscheidung für die Einführung des Euro verstanden, dass sich die Vergemeinschaftung des europäischen Alltages rapide beschleunige. Deshalb stünde ein Besuch der EU jetzt regelmäßig am Ende eines Europaaufenthaltes der Marshall-Fellows.

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