Politik : Demonstrativ selbstbewusst

Ahmadinedschad will von den USA eine Entschuldigung und schreibt einen Brief an Nicolas Sarkozy

Paris/Berlin - Die Regierung strotzt offenbar vor Selbstbewusstsein: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad fordert US-Präsident George W. Bush auf, endlich den Kurs der amerikanischen Außenpolitik gegenüber seinem Land zu ändern. Schließlich sei offensichtlich, dass das Atomprogramm des Iran einen zivilen Charakter habe. Ahmadinedschad wollte jetzt sogar eine Entschuldigung für den Vorwurf, der Iran strebe nach der Atombombe. „Die Zeit ist gekommen, dass die USA ihre Haltung korrigieren“, sagte Ahmadinedschad am Wochenende im Staatsfernsehen. „Die ganze Welt hat gesehen, dass die Anschuldigungen falsch sind.“

Außerdem hat sich Ahmadinedschad auch wieder als Briefeschreiber betätigt und nach George W. Bush, Kanzlerin Angela Merkel und dem Papst sich diesmal an seinen französischen Amtskollegen Nicolas Sarkozy gewandt – jedoch in ausgesprochen unfreundlichem Ton.

Sarkozy sei „jung und unerfahren“, schreibt Ahmadinedschad in dem Brief, wie „Le Monde“ berichtet. Sarkozys Sprecher David Martinon bestätigte, der Brief sei am Montag eingetroffen, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. Laut „Le Monde“ schrieb Ahmadinedschad an Sarkozy, die französischen Bemühungen um schärfere EU-Sanktionen gegen den Iran seien zum Scheitern verurteilt, weil Deutschland und Italien nicht mitmachen wollten. Sarkozy hatte im Juli das denkwürdige Zitat geprägt: „Entweder die iranische Atombombe oder Bomben auf den Iran.“

Während sich Irans Präsident weiter demonstrativ unkooperativ gibt, wird jedoch über einen Konflikt innerhalb der iranischen Führung spekuliert. Anfang der Woche hatte Ahmadinedschad selbst eingestanden, dass sein Kurs beim Nuklearprogramm auch im eigenen Land nicht unumstritten ist, und gedroht, gegen die „Verräter“ vorzugehen.

Die beiden Ex-Präsidenten Mohammed Chatami und Akbar Haschemi Rafsandschani führen die politische Opposition gegen den Hardliner Ahmadinedschad an. Doch selbst wenn prominente Politiker im Iran keinen Hehl aus ihrer Distanz zum Präsidenten machen – solange dieser die Rückendeckung des Revolutionsführers, Ayatollah Ali Khamenei, hat, dürfte sich am Kurs der iranischen Politik wenig ändern. Was für ein Ziel Khamenei aber langfristig im Atomkonflikt verfolgt, lässt der Revolutionsführer im Unklaren. dpa/Tsp

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