Politik : Der Angeklagte schweigt

Prozess wegen Mordes an Filmemacher van Gogh

Ruth Reichstein

Amsterdam - Mit einem Koran unterm Arm, weitem Gewand und einem langen Bart erschien Mohammed B. am Montag vor dem Amsterdamer Gericht im Stadtteil Osdorp. Dort muss sich der 27-jährige Marokkaner mit niederländischem Pass für den Mord an dem Filmemacher Theo van Gogh verantworten. Eigentlich wollte Mohammed B. gar nicht kommen und wies auch seinen Anwalt an, kein Plädoyer zu halten. Er wolle auf eine aktive Verteidigung verzichten. „Ich habe dem nichts hinzuzufügen“, waren die einzigen Worte, die über seine Lippen kamen.

Am 2. November hatte Mohammed B. mit gezielten Schüssen und unzähligen Messerstichen den Filmemacher Theo van Gogh getötet, der sich abfällig über den Islam geäußert hatte. Mit einem Schlachtmesser durchtrennte der fanatische Muslim seinem Opfer die Kehle. Wie aus Akten der Staatsanwaltschaft hervorgeht, hat der Marokkaner die Tat wochenlang geplant. Er soll zu der „Hauptstadt-Gruppe“ gehören, die auch Anschläge auf den Amsterdamer Flughafen und Politiker geplant haben soll. Außerdem sollen ihre Anhänger Kontakt mit den mutmaßlichen Attentätern von Madrid gehabt haben. Nach dem Mord an van Gogh wollte Mohammed B. im Kampf mit der Polizei sterben und als Märtyrer in die Geschichte eingehen. Das geht aus einem Brief hervor, den die Staatsanwaltschaft beim Angeklagten fand.

Van Gogh war schon lange als provokanter Filmemacher bekannt gewesen. In seinem Film „Submission“, zu dem die aus Somalia stammende niederländische Abgeordnete Ayaan Hirsi Ali das Drehbuch geschrieben hatte, kritisierte van Gogh die Unterdrückung der Frauen im Islam. Dazu ließ er Koranverse auf den nackten Körper einer Muslimin schreiben - für die Muslime ein Skandal. Diese bezeichnete van Gogh mit Vorliebe als „Ziegenficker“, eine Aussage, die ihn auch nach seinem Tod noch begleiten sollte: Bei seiner Beerdigungsfeier hatten seine Freunde zwei Ziegen neben den Sarg gestellt – „Für alle, die Gelüste haben“, hieß es auf den dazugehörigen Schildern.

Mohammed B. will die volle Verantwortung für seine Tat übernehmen. Die Staatsanwaltschaft forderte im April, den mutmaßlichen Täter in eine psychiatrische Klinik einzuweisen. Doch Mohammed B. weigerte sich und beantwortete keine Frage der Psychologen. Er sei voll zurechnungsfähig gewesen, ließ er erklären.

Der Staatsanwalt wird in seinem Plädoyer heute vermutlich lebenslange Haft für Mohammed B. fordern. Das wäre ein Novum für die Niederlande. Nachdem der rechtspopulistische Politiker Pim Fortuyn 2002 von einem fanatischen Tierschützer ermordet worden war, wurde der Täter zu einem Freiheitsentzug von 18 Jahren verurteilt.

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