Der Demokrat : Barack Obama: Mister Change

Wofür steht Barack Obama, Kandidat der Demokraten, was macht ihn aus?

Christoph von Marschall
Obama Campaigns Across The U.S. In Final Week Before Election Foto: AFP
Barack Obama.Foto: AFP

Es ist die wohl steilste politische Karriere seit Jahrzehnten. Vor vier Jahren war Barack Obama noch ein Regionalpolitiker im Bundesstaat Illinois, der sich anschickte, die nationale Bühne zu betreten. Seine Rede als Nachwuchstalent beim Nominierungsparteitag der Demokraten in Boston im Juli 2004 hatte ihn erstmals einem breiteren Publikum bekannt gemacht. Er schlug das Thema an, das zu einem seiner Markenzeichen wurde: das Versprechen, die Lagerspaltung zu beenden, die Argumente der Gegenseite als begründet anzuerkennen und Kompromisse im Dienst der Sache anzustreben. "Es gibt nicht ein liberales und ein konservatives Amerika, es gibt nur die Vereinigten Staaten von Amerika. Es gibt nicht ein Amerika der Schwarzen und ein Amerika der Weißen, ein Amerika der Latinos und ein Amerika der Asiaten, es gibt nur die Vereinigten Staaten von Amerika."

Der damalige Kandidat, John F. Kerry, hatte Obama den begehrten Redeplatz zur besten Sendezeit gegeben, um dessen Wahlkampf um den offenen Senatssitz von Illinois im Kongress zu unterstützen. Die Demokraten brauchten jedes zusätzliche Mandat. Barack Obama wurde Senator, John F. Kerry verlor die Präsidentenwahl. Doch obwohl Millionen Amerikaner Obamas Rede im Fernsehen verfolgt und in ihren regionalen Zeitungen darüber gelesen hatten, war er noch lange keine bekannte Größe. Vorerst stellte er sich weiterhin selbstironisch als "der spindeldürre Typ mit dem komischen Namen" vor.

Heute ist der Name Barack Obama eine politische Marke. Aber es bedurfte der 20 Monate Wahlkampf seit der offiziellen Erklärung seiner Kandidatur an einem bitterkalten Februartag 2007 auf dem Platz vor dem Landtag von Illinois in der Provinzstadt Springfield, um dahin zu kommen. Und es liegt an der Kombination aus dem besonderen Wahljahr und der Person, dass diese Marke so viel Erfolg hat. Amerika ist enttäuscht von der Bilanz des Amtsinhabers George W. Bush. "Change", die Wende, ist zur wichtigsten politischen Vokabel geworden. Inzwischen führt jeder dieses Versprechen im Mund, auch der Republikaner John McCain. Obama hatte "Change" jedoch 2007 als Erster zu seinem Kampfbegriff gemacht - als seine innerparteiliche Konkurrentin um die Kandidatur, Hillary Clinton, noch auf "Experience" setzte. Mit ihrer Erfahrung wollte sie punkten. Das klang vielversprechend angesichts des Berges von Problemen. Die USA führen zwei nicht sehr erfolgreiche Kriege, ihr Ansehen ist gesunken, die Sozialsysteme sind reformbedürftig, die Strategie gegen die Terrorgefahr ist umstritten.

Doch Umfrage für Umfrage nannte eine deutliche Mehrheit "Change" als herausragendes Wahlmotiv, nicht "Experience". Den Politikwechsel trauen die Bürger Obama eher zu, der 47-Jährige steht für einen Generationswechsel. Clinton, 60, wurde dagegen mit dem herkömmlichen Politikstil identifiziert. Im Vergleich mit dem 72-jährigen McCain ist die Alternative noch stärker sichtbar.

Barack Obamas geringe Erfahrung hat sich freilich immer dann als Schwachpunkt erwiesen, wenn die USA vor neuen Problemen standen. Als es zum Krieg zwischen Russland und Georgien kam, als die Finanzkrise eskalierte, wurde verstärkt gefragt, ob man die Supermacht einem vergleichsweise so jungen und ungetesteten Politiker anvertrauen könne. Obama hat in solchen Momenten versucht, die Bedeutung von Erfahrung anders zu definieren. Er hat, zum Beispiel, darauf verwiesen, dass er gegen den Irakkrieg war, Clinton und McCain dafür. In der wichtigsten außenpolitischen Frage der jüngsten Jahre habe er, der angeblich Unerfahrene, richtig entschieden, die Erfahrenen dagegen falsch. In der Finanzkrise bemühte er sich, Ruhe und Umsicht zu zeigen.

Auch seine Biografie nutzt er als Werbung. Er selbst sei der Beleg, dass der amerikanische Traum funktioniere: Egal, woher du kommst, egal, wer deine Eltern sind - in den USA kannst du alles erreichen. Der Vater war ein schwarzer Gaststudent aus Kenia, die Mutter eine Weiße aus Kansas, da klingt die Rassenversöhnung an. Obama bekam dank der Förderprogramme für Minderheiten eine hervorragende Ausbildung, inklusive Promotion in Jura an der Eliteuniversität Harvard. Im Kern ist Amerika also besser als unter Bush. Die Nation muss sich nur auf die Ideale besinnen, dann gewinnen die USA die alte Größe zurück.

Der Streit um Sachprogramme ist ebenfalls wichtig. Obama verspricht, den Abzug aus dem Irak einzuleiten und das Lager Guantanamo für Terrorverdächtige zu schließen. Er möchte eine Krankenversicherung für alle Amerikaner einführen. Bushs Steuersenkungen will er teils beibehalten - für alle, die weniger als 200 000 Dollar im Jahr verdienen (bei gemeinsam veranlagten Ehepartnern 250 000 Dollar) -, bei Großverdienern dagegen beenden. Die Steuern auf Unternehmens- und Spekulationsgewinne sollen steigen. In der Klimapolitik wird er Europa ein Stück weit entgegenkommen.

Die Präsidentenwahl ist vor allem eine Persönlichkeitswahl. Erst wenn die Bürger Vertrauen zu einem Kandidaten fassen, nehmen sie sein Programm ernst. Obama kann siegen, weil er sein Leben erfolgreich als "American story" erzählt.

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